Ein Song für einen leeren Monat

Der Monat ist hübsch.
Recht durchwachsen, emotional, recht dröge, nach dem was so passiert.
Aber irgendwie sind es ja die kleinen Dinge die so groß sind, aber über die kaum jemand ein Wort verliert. In letzter Zeit immer mehr solche in-irgendeiner-Art-Blogs dann doch erwähnt, oberflächlich und leicht am Thema vorbei, aber im Reißer toll geklungen. So nach „endlich mal jemand, der auch über den gleichen Firlefanz nachdenkt wie unsereins“. Dann gelesen. Und revidiert. Doch nicht so wie unsereins. Doch irgendwie anders. So anders, dass wir es nicht können, wir hier, die wir denken dass es doch so und so ist, und kaum die Scheuklappen runtermachen wollen… beim letzten Mal war das nicht so eine gute Idee.

Naja, auf jeden Fall sind diese besagten Blogs gar keine Blogs, sondern super hippe Web-Zeitungen/Magazine, die mit flippigen GIFS arbeiten und nach Mundart schreiben. Also doch irgendwie Blogs. Aber von Zeitungen. Als Onlinemagazin getarnte Etwasse.

Dieses hier, liebe Leserin, lieber Leser, ist ein Blog. War es stets. Wird es bleiben. Aktuell weniger hoch frequentiert mit Inhalten gefüttert, wie das Leben eben so spielt: man kann nicht alles in aller Ruhe runterschreiben, das Leben passiert! Und dem ist es egal ob er, sie oder es schreiben möchten. Sie sind jetzt mitten dabei und es wird verlangt, von ihnen, auch daran teil zu nehmen. Also hopp hopp!

Dieser Monat ist auf jeden Fall sehr Märzig. Nicht mehr richtig Schnee, kein Antarktischer speed-Frühling, sondern ein schleichendes, noch schlappes, etwas müdes, aber leicht kuscheliges Übergangszeitchen in Zeiten der vielen Übergänge. Warten auf dies und das. Die Postsendung von Amazon, wo ist sie nur, vor vier Tagen bestellt, vor VIER Tagen, verdammt. Noch 62 Minuten, dann ist die Waschmaschine durchgelaufen. Und um halb fünf Lauftreff mit Beathe und Sabine.

Ein März. Wie ein März halt. Wenn jemand im Weg steht, ist man es wohl selbst, sich selbst. Mutet mal wieder ein paar anderen, die es verdienen, zu wenig zu, könnte eh freundlicher und aufmerksamer sein, schneller und effektiver arbeiten.

Hier ein Lied. Recht nett. Viel Spaß damit. In diesem März. Ich hoffe die Zeit macht Spaß.

— Einschub —

Das Lied, das ich spielen wollte, finde ich nicht. Deshalb gibt’s jetzt ein alternatives. Auch ganz peppiges.

— Einschub Ende —

Jemand kommt in ’ne Bar

„Nach jeder Liebe gibt es wieder ein Erwachen, das fühlt sich ein bisschen an wie Frühling.“
„Ich mochte aber das nicht-erwachen dieser Liebe. Und ich mag es noch. Das viele Sinnlose. Von mir aus auch die Momente, wenn es mich wahnsinnig macht, was er immer tut.“
„Genau das wird dir dann nicht mehr fehlen. Stell dir nur mal vor: du regst dich darüber nicht mehr auf. Aus und vorbei. Nur noch du.“
„Ich weiß, worauf du hinaus möchtest. Ich verstehe das schon. Keine Aufregung mehr, dass alles so ewig zu dauern scheint. Selbst das Fahrradfahren zu zweit dauert immer so lange. Ohne erfindlichen Grund. Niemand ist krank, es ist weder super heiß, noch regnet es in Strömen. Es ist einfach Wetter und wir sind laaaaangsam. Auch das packen hat schon ewig gedauert. Alles.“
„Sind wir ein bisschen gestresst?“
„Nein, aber unnötiges langes Ausgeschlafe, so gut wie jeden Tag, und dann nicht weiter kommen, das macht mich wahnsinnig.“
„Schon mal daran gedacht, dass dein Gegenüber dich vielleicht als stressig empfindet? Okay, ich gebe zu, meine Qualitäten frisch Verlassenen zu helfen waren auch mal besser.“
„Du hast so Recht. Es wird mir fehlen. Habe ich alles falsch gemacht?“
„Super. Selbstzweifel. Ein ganz toller Anfang für einen Ausweg. Bemitleide dich selbst. Du Armes, Armes Ding. Niemand hat es so schwer wie du.“
„Was soll der Scheiß? Du musst mich bemitleiden, ich bin ich furchtbar armes Wesen. Mir wurde weh getan, obwohl ich so viel und so sehr gekämpft habe.“
„Ihr habt gekämpft? Mit allem Drum und Dran?“
„Lass den Mist, du weißt was ich meine. Es gab auch viel Ärger, wegen Missverständnissen, persönlichen Freiräumen und dem beidseitigem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Es vielleicht niemals sein zu können. Egal in was, und egal wie viel man sich Mühe gibt. Ein Moment der Schwäche und alles bricht zusammen.“
„Ein anstrengendes Leben im Kartenhaus.“

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„Warum habe ich dir hier in die Bar mitgenommen?“
„Weil du guten Zuspruch brauchst, alles richtig gemacht zu haben, und was besseres verdient zu haben.“
„Genau! Also benimm dich auch so!“
„Aber du hast nicht alles richtig gemacht, keiner von euch. Und soll ich dir was sagen? Das kann man auch gar nicht. Man kann versuchen, Fehler nicht als Fehler an zu sehen, sondern als etwas, das noch ausbaubar ist. Und nicht zu erwarten, vom andern, er soll so sein, wie man ihn gern hätte. Dann solltest du gottverdammtnochmal nicht mit einem anderen Menschen zusammen kommen, sondern mit einer Puppe.“
„Puppen können nicht sprechen.“
„Dann gibts auch keine Missverständnisse.“
„Doch, wenn man sich anschweigt.“
„Ein stummer kann nicht schweigen. Er kann schlicht nicht sprechen. Und selbst das ist nicht immer so.“
„Du weißt doch was ich meine, dieses nebeneinander her geschweige, anstatt eben zu sagen, was eigentlich los ist.“
„Es ist doch immer was los. Nie ist nichts. Freunde interessiert das eben nicht so, denn sie werden kaum im gleichen Bett mit dir schlafen wollen, Nacht um Nacht. Und wenn was nicht passt, kann es ihnen eher egal sein. Manchmal ist es das nicht, aber heeeeyyyy, die meinen’s ja nur gut. Aber wehe dem der Partner sagt was, das ist dann unangebrachte Kritik oder was?“
„Du taugst wirklich nicht zum ausheulen.“
„Zwei Whisky, zwei Gin, zwei Vodka, zwei Jägermeister. Und zwei Bier danach. Bei den Bieren kannst du dann von mir aus weinen. Aber erst da. Und nur für ein Bier.“

„Als ob es immer wieder so ein Blitzableiten braucht. Wieder und wieder. Wehe dem, es ist mal eine Woche friedlich und es ist einfach nichts, dass muss für sie ein Horror sein.“
„Aber es ist doch sowieso nie nichts. Und wir diskutieren auch, du bist halt nicht in mich verschossen, deshalb treibe ich dich weniger schnell zur Weißglut.“
„Was ist los mit dir? Hast du Psychologie oder so einen Schrott studiert? Hör zu. Wenn jemand immer etwas findet, dass es auszusetzen gibt…“
„Jetzt ist aber gut. Erst meckerst du die ganze Zeit was alles nicht stimmt und bist dann verwundert, wenn irgendwas, sogar verbalisiert, zurück kommt?“
„Okay, prost erst Mal.“ „Und jetzt, lass mich jammern. Dazu habe ich das Vorrecht, mit gebrochenem Herzen. Ich bin ganz arm. Also spendiere mir Komplimente und Zuspruch, so unsinnig der auch immer sein mag. Das habe ich mir aufgrund des Scheiterns der Beziehung verdient. Dazu sind Freunde da.“
„Okay. Es ist immer scheiße wenn so etwas passiert. Obwohl uns die Filmindustrie vorgaukelt, zumindest großteils, dass alles so toll klappen kann. Und tun so, als würden sie an zu wenigen Selbstzweifeln leiden, die du eben hast, und partiell zu wenig Selbstbewusstsein, was du gerade hast. Überall versucht Gründe zu suchen, nur nicht bei sich selbst. Dabei hast du locker 50% des Scheiterns ausgemacht.
Mehr Mitleid gibt’s nicht. Trink.

 

Gut so. Noch zwei Obstler bitte und zwei Halbe.

Prost.

 

Und jetzt erzähl mal: es wurde also immer etwas ausgesetzt an dir, dann dieses unmenschliche langsam-sein, und das unerträgliche geklammere, ja? Mhm, du Armes, Armes Ding.“

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Und wenn es so wäre

Ka-ching alter Freund, lass uns hier, selten genug, einfach wieder sitzen. Viel ist passiert, in den Momenten so lang, fast unerträglich lang, als würde sich der Zeiger der Uhr nur zurückhaltend und mehr als schüchtern im Kreis weiter bewegen. Und jetzt hier sitzend kann es doch gar nicht sein, dass es so lange her ist, dass wir es damals gemacht haben und all das passiert ist. Jetzt scheint alles, als wäre es einfach so gewesen. Einfach so gelebt, einfach so verliebt, getrennt, einfach so geträumt und dann doch anders entschieden.
Die erschreckende Normalität, die früher so ein Graus war und in tausenden Bierlaunen zerfetzt wurde, sie ist gar nicht so schlimm. Sie wartet hinter keiner Ecke, ist nicht finster, nicht langweilig, auch nicht spießig oder dumm: sie ist das Leben.
Sie ist ordinär und extravagant, individuell verwurzelt in allem. Nur das Gewöhnlichste von allem kann dieses dumme, normale Leben stoppen, der Tod.

Wir versinken schon wieder in Küchenphilosophische Themen, Lachen gibt sich die Hand mit dem so uncoolen Weinen, aber das ist egal. Aus Bier wird Gin, wird Jägermeister.

Alles geht und ging weiter, immer, obwohl uns die Wellnessoasen vorgegaukelt hatten, sie könnten kurz die Zeit verlangsamen. Nur, wer war denn dort vor Ort und hat alles am Laufen gehalten. Menschen wie du und ich, mit Versicherung, Abschlüssen, Arbeitsverträgen, gebrochenen Herzen, neuer Liebe, guten Plänen und verschlafenen Vormittagen.

Der Gin erzählt uns, dass vieles viel zu egal ist, und wir ahnen, dass es vielleicht genau darum geht. Denn dabei sind wir, ob es uns jetzt passt, oder eben nicht.
Wir suchen uns, mal mehr, mal weniger, aus, wohin wir gehen. Oft gehen einst treue Begleiter aus unverständlichen Gründen. Einige bleiben, aus ähnlich unverständlichen Gründen.

Und wir wissen, wollen es aber nicht, das es vollkommen egal ist, danach zu fragen, ob dieser ‚Weg‘ nun der beste war. Es ist der einzige in deinem Leben. Und es ist der deine.

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I know, I post too less, for this fluid liquid of steadily update-posting internet-age which doesn’t mean that I am not writing, gosh

really, I try, hardest, without falling apart, to do so good this time. Feels like I will fail. Feels like it has to, because it’s so not easy at all. From time to time it’s really fun, believe me. We all can be, and I am sure we are, weird personalities. Or just personality. Whatever.

I sit a lot these days. Surrounded by a few glittery ghosts, a few very grounded persons, and too few to talk to, seriously without backbite. Far to less money, far too much to do, too less inner peace, too childish thoughts. Buying balloons and flying away…

lets grap the whatever by it’s bloody horns and train our muscles. feel honest pain again. why-ever this may be good, it is, hopefully. and life right. drugfree? why not.

confused? day by day. strong? if I have to.

Horizon sinking

Die traute Runde, die nicht noch viel trauter durch immer mehr vertraut hinzukommende Gesichter wird, sondern nur bunter. Wildes, angeregtes Geplauder vollkommen unabhängig davon, ob jeder etwas dazu beizutragen hat, oder nicht. Es plätschert dahin, wird geschimpft und gelacht, an vergangene Zeiten erinnert und viel vorgenommen, denn so wie es ist kann es nicht bleiben, es ist zwar vieles total okay, dennoch längst nicht so, wie man es tausend mal besser, eigentlich, machen kann.

Ein paar kleine, leuchtende Fenster gehen in Handflächen auf. Abtauchen, weg von dort, hin ins Zeitlose immeretwaslos. Schauen, was man verpasst haben könnte, denn dort in der künstlichen Datenwelt ist es dauerhaft voll Knistern und Aufregung, dort verpasst man per se schon alles, wenn man nicht davor sitzt und auf ‚aktualisieren‘ drückt. Unter die Nase gerieben bekommen, was hätte, könnte, sollte, und, ach so, ja: hier noch die Nachrichten.

Künstliches Licht das so aufgeregtes, selten zusammenkommendes, etwas anstrengendes Stimmengewirr egal werden lässt. Um ja nichts zu verpassen, verpasst man anderes, um jeden Preis. Nur für das Gefühl von dem man nicht mal so genau weiß, was das jetzt eigentlich soll. In einer neuen, scheinbar großen, aber Miniatur Welt, die so laut schreit, dass kein Mensch der Welt eigentlich noch aufmerksam zuhören kann. Daher einfach mitschreien, dort hinein, in der selbst die lauteste Stimme ein Winseln in einer bläulich erleuchteten Handfläche, in der Mitte seiner Liebsten ist- und bleibt.

Innerlich geht man dann eine ernüchternde Checkliste durch, wenn das TamTam des Besuchs endet:
1. Mal wieder mehr an andere gedacht, und was die vielleicht (über einen selbst) denken (oder auch nicht), als an sich selbst.
2. Dadurch dann logischerweise weniger man-selbst gewesen und vergessen das auch zu sein. An anderen rumzudenken ist zwar anstrengend, aber bei weitem leichter, als sich selbst treu zu bleiben: und am Ball, was mit einem selbst eigentlich gerade so los ist. Ohne dabei die „anderen“ aus dem Blick zu verlieren, denn
3. den „anderen“ zu wenig zugetraut, dass auch sie „sie selbst“ sind, einfach so, ohne dass man versucht zu erraten, was in deren Köpfen los ist.
4. Punkte 1-3 waren schon mal verstanden und verinnerlicht: dann kam ein neuer Mensch ins Leben und da war es um die Verinnerlichung geschehen.
5. Sich selbst glauben.
6. Nicht alles glauben, was man glaubt oder grübelt. Wenn es tatsächlich „denken“ ist (der Übergang kann fließend sein), so sei es genehmigt.
7. Den Unterschied erkennen.
8. Geld ist egal. Aber es muss welches da sein. Sonst ist es nicht egal und: nervt.
9. Älter werden kann unfassbar ernüchternd sein, denn: es gibt einfach Dinge, die gehören gemacht. Aber: es gehört auch geträumt. Wie bei einer warmen Winterjacke- der Mix macht’s. Ernüchternd? Es gibt eben Dinge, die gehören …
10. Nicht immer alles persönlich nehmen.
11. Sich selbst lieben. Das ist eigentlich Punkt 1. Aber bei einer 11 stehen zwei 1. Das verleiht dem Punkt gegebenenfalls den Nachdruck, den er verdient. Obacht! Mit der Selbstliebe ist es wie mit Punkt 1 & 2. Sie gehört einem selbst. Nur dir. Alleine. Auch wenn ohne die „anderen“ das Leben nicht zu bewältigen ist. Du gehörst zu aller Erst mal dir. Und wegen dir mögen dich die anderen. Nicht anders herum. Bleib dir so oft es geht treu. Ich glaube, dass ist eine der schwierigsten Lektionen, die immer neu gelernt werden muss. Daher wohl auch eine der nervigsten, die jeder gerne sagt „aber du musst dich doch selbst lieben“ blah blah blah. Doch: ohne gehts nicht. Siehe Punkt 9.
12. Frohes Neues. Jeden Tag.

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13. Wenn du etwas machen möchtest: dann mache es. Es sei denn es ist Selbstzerstörerisch oder du verletzt andere damit. Klingt wie aus der Bibel? Himmel, woher nimmst du solche Assoziationen? Komm mal runter! Hör auf zu wollen und fang an zu machen. Das Leben wartet nicht. Tu du es auch nicht. Du wirst älter. Das ist spitze. Aber nutze es. Ehrlich.
14. Versuche so gesund zu bleiben wie es geht. Ja, geh auch mal feiern. Vollkommen egal. Bekiff und betrinke dich. Auch egal. Doch: die Dosis macht das Gift. Oder willst du einen dir sehr wichtigen Menschen leiden sehen? Eben. Pass auf dich auf. Siehe Punkt 9. Aber: benimm dich deswegen nicht die ganze Zeit. Was mich zu Punkt 15 bringt:
15. Langweile dich selbst nicht. So etwas wie Langeweile gibt es nicht. Nur ein Mangel an Ruhe in deinem Kopf. Wenn du denkst etwas zu verpassen bist du bereits dabei dir den Moment zu versauen. Denn dann verpasst du das jetzt und glaubst etwas zu wissen, von dem du aber keine Ahnung hast, ob es wirklich irgendwo ist bzw ob es das wirklich gibt. Siehe Punkt 6.
16. Zeig den Menschen, an denen dir etwas liegt, so oft es dir eben möglich ist, dass dein Leben durch sie ein bisschen besser wird. Es kann immer noch beschissen sein, aber ohne sie wäre es nicht auszudenken. Daher: muchos gratias ihr tapferen Mitstreiter.
17. Menschen kommen und Menschen gehen. Das ist ziemlich gut gelegentlich und leider oft auch weniger. Daher siehe Punkt 13 und 16. Und:
18. Es gibt immer nur das Jetzt. Versuche diese harte Lektion zu kapieren und lasse das Leben wieder beginnen. Und wieder! Nur weil gerade weniger Input von Außen ist (vielleicht wohnst du in einem von Alten Menschen bevölkerten, kleinen Dorf am Rand des Waldes) heißt das noch lange nicht, dass nicht viel los ist: was glaubst du, was die Menschen um dich herum so alles für Geschichten auf Lager haben? Du willst keine Konversation? Auch egal. Aber mehr als das Hier und Jetzt wirst du niemals bekommen. Und ich glaube, dass ist auch gut so. Dieser Punkt verhält sich allerdings genau so knifflig wie Punkt 11.
19. Und auch das endet eines Tages. Scary? Echt jetzt, wieso denn? Eigentlich (ist der Tod) das Beste, dass uns allen passieren kann. Nur etwas mit Verfallsdatum lässt sich frühzeitig nutzen. Dann hat das Warten vielleicht mal ein Ende.

In dem kleinen, hellbraunen, abgewetzten Ledersessel

sitzt du, und siehst unendlich erschöpft aus.
Was denn los sei, frage ich.
Zu viel und gleichzeitig, dass sei das komische, zu wenig, sagst du.
Du hättest dir, und das sei auch nach wie vor so, zu viel erwartet von allen möglichen Leuten und nicht zuletzt dir selbst. In deinem Kopf mache so viel Sinn, aber anderen das zu erklären sei so unendlich ermüdend.
Wem du denn etwas erklären müsstest, möchte ich gern wissen.
Jedem, irgendwie, vor allem den sehr nahestehenden Personen. Und das arte in Streit aus, immer öfter in letzter Zeit. Dann würde es mitunter so lange brauchen bis du wieder bei Kräften seist. Du möchtest einfach nicht mehr streiten, da du nichts böses im Schilde geführt hättest.

Ich wende ein, dass es nicht eine grundsätzlich böse Intention sein muss, die entweder unterstellt oder tatsächlich vorhanden sein muss, um zu streiten. Simple Missverständnisse reichten zumeist schon aus um in eine Auseinandersetzung zu geraten. Zweierlei Welten, gedanklich, emotional plus die Erwartungshaltungen die man an die anderen stellt, prallen dann aufeinander und geben ein großes Kuddelmuddel welches ausdiskutiert werden möchte.

Du sitzt in diesem Sessel, guckst abwechselnd auf den von Fusseln übersäten weiß-schwarzen Teppich zu deinen Füßen und der Wand vor dir, die einen frischen Anstrich vertragen könnte. Deine Augen sind so müde und traurig, du siehst ausgelaugt und schwach aus in einem Körper, der alles andere als genau das zeigt: sportlich und kräftig.

Du vermisst dein Leben vor diesem, genau das vor 1 1/2 Jahren, irgendwie. Aber irgendwie auch nicht. Ein paar Aspekte daraus, am liebsten gemischt mit einigen von jetzt, nur anders… du klingt durcheinander.

Ich bin denkbar ungeschickt im Aufbauen von Menschen, und biete dir Hochprozentiges als billigste und schnellste nicht-Lösung zur Betäubung dieser Kaskaden in deinem traurigen Kopf an.

Du lächelst schwach. Du möchtest einfach zu gern jemand anders sein, wo anders, Dinge leichter in den Griff bekommen, oder zumindest das Gefühl, etwas im Griff zu haben, dabei nichts zu verpassen und irgendwie… Seltener eins ausgewischt zu bekommen, häufiger in den Arm genommen ohne dabei weitere Verpflichtungen eingehen zu müssen.

Ich gebe dir den Rat, das Wort ‚müssen‘ aus deinem Wortschatz zu streichen.

Zum Abschied umarme ich dich. Du riechst ganz leicht nach altem Leder.

 

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Und wenn wir beide alleine sind, ist auch jeder für sich.

So ist das nun mal mit dem Lauf der Dinge, kein klarer Anker, kein unbedingtes unabdingbares Ufer. Wir strampeln dann, landen irgendwo und denken ein wenig nach über das, wo wir gerade stehen. In diesem einen Falle dann Hand in Hand, davor viele andere Hand in Händen, jetzt ist hoffentlich Schluss damit.
Ein bisschen gewappnet, ein klein wenig stark, wie immer gut geschmunzelt, sich selbst zu wichtig genommen, dabei alles halb so wild. Immer im Relativ wandelnd, deine neue Schutzzone in der man kaum auf einen schießen kann weil alles nur so ungefähr ist, hochkritisch wieder nicht voll und ganz, und du dummes Ding wunderst dich, dass dein Herz ständig bricht, als wäre es sein Hobby.

Allaire Heisig poses for camera at Ford Models, 111 Fifth Avenue, New York, NY. February 22, 2011.  *** HIGHER RATES APPLY: MUST CALL TO NEGOTIATE *** © Damien Neva

Allaire Heisig poses for camera at Ford Models, 111 Fifth Avenue, New York, NY. February 22, 2011. © Damien Neva