Das Wetter liefert sich einen erbitterten Kampf mit sich selbst. Shame about the weather.

Und: es gewinnt. Es. Was ist es? Und wem zur Hölle soll mit dieser Nachfrage geholfen sein? Den Schülern, die ihre zwölfseitigen Aufsätze nach den 90 Minuten dem Lehrer geben müssen, der alle ese’s ankreuzt, als seien diese entflohene und seit langem vermisste kleine Bambis? Es leben das Bildungssystem. HALT! Wer ist Es? Wir drehen uns im Kreis. Was hat der/die kleine denn zum Besten gegeben? Ach, eine Interpretation der Seiten 44-54 in T.F.’s Effi Briest. Das ist ein weites Feld und so. Na dann. Wie viele „Es“? War nur ne Ausreichend. Okay. Der kleine Bernhard, der diesen Aufsatz verfasst hat, hat seit seines dritten Lebensjahres einen künstlichen Harnhausgang. Leider ist er nicht mit Schönheit gesegnet. Nicht in dieser Klassenstufe. Denn dort gelten sein froschähnliches Gesicht und die auf der Nase sitzende, mit viel zu großen Gläsern ausgestattete Brille, die dieser leicht geplätteten Fassade nicht gerade eine dezente Unternote verpasst, als bescheuert, dumm, hässlich und behindert. Ich möchte nicht diskriminieren. Ich gebe nur wieder. Leider riecht Bernahrd auch ungewollterweise dann und wann leicht nach Urin. Vielleicht sollte es heute Morgen schnell gehen. Oder der Beutel ist voll und schwappt mit jeder Körperbewegung einmal häufiger gegen seinen hageren Unterleib.

In Latein ist Bernhard ein As. Echt. Er räumt regelmäßig Einsen ab. Liest und übersetzt den althergebrachten Quark, als sei es deutsch. Er macht mit seiner, bis auf das Fach Deutsch, Bildung sein verschrieenes Äußeres wett. Bei den Lehrern. Seine Mitschüler empfinden Mitleid, Hass, Fremdscham, Abneigung oder eine viel zu immense Neigung zur Stichelei wenn Bernhard auftaucht. Er ist sowas wie die Priese Salz zur Mittagsunterhaltung -Bernahrd ist nie dabei, es sei denn, die Schüler brauchen Belustigung- eine quasi Daily Soap der Lästereien. „Was? Ja, ich hab den nassen Fleck an seinem Pulli gesehen, der ist voll Behindert. Total widerlich. Mensch, der arme…“ usw. Man kann es sich bildlich vorstellen.

Bernhard hat zudem ein selten gutes Händchen, auch nicht zwingend förderlich für die Integration in Pubertäre Gefilde der Gleichaltrigen Pickelkämpfer, für schlechten Klamottengeschmack. Nicht mal Extravagant taucht er unter seinen Klassenkameraden auf. Einfach nur hässlich. Die Schuppenflechte unter seinen speckiegen oder, wenn es die Tagesform zulässt, trocken geföhnten Haaren, macht die Sache nicht zwingend besser. Gott behüte, er kann nichts dafür und das wächst sich garantiert aus. Apropos Gott: Bernhard ist urtreuer Christ. Beten ist geil. Hilft zwar alles nix, aber ordentlich geglaubt ist halb gesiegt. Bernhard, alter…

Der einzige Grund, der mir auf Anhieb einfällt, warum Bernhard die Schulzeit überlebt haben kann, sind bildschöne Klassenkameradinnen, die bis zur achten immer zwischen sich gerade entwickelnde Hänseleien (Schlägereien, obwohl es eher eine Verprügelung geworden wäre, Bernhard hatte nur Muskeln, damit die Knochen nicht aus seinem Körper fallen) drängten und halb diplomatisch, halb flirtend den BadBoy und dessen Clique davon überzeugten, dass Gewalt scheiße sei und Bernhard so dermaßen bemitleidenswert, dass er nichtmal Kloppe wert sei. Folge waren fehlende Eingliederung und Randgruppendasein. Unddekoratives Randgruppendasein. Denn er konnte nichts wirklich, fiel nicht auf, war lediglich fachnah bemerkenswert clever und leider so schlagfertig wie eine Schlange Beine hat.

Ob Bernhard die Klassen bis zum ABI überlebt hat, kann ich nicht sagen, ich flog von dieser Schule ende der neunten. Persönlich hab ich Bernhard nur einmal ziemlich impulsiv ins Gesicht gespuckt, um ihn meine Missachtung preis zu tun. Ich weiß bis heute nicht mehr worum es ging. Es. Wer ist eigentlich Es?

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