Und da gehst du nun, feige, und den Rücken mir zugewandt. Ich gebe zu, irgendwie hatte ich mehr erwartet. Einen lauten Knall, viele Flammen, staunende Augen, Zuschauer die frösteln, da sie nicht glauben können, was dort geschieht. Eine Welt, die starr vor Schock für zwei Sekunden die Luft anhält, stehen bleibt, verharrt, sich wundert und nicht weiß, welche Emotion für das eben geschehene die richtige ist.

Große Abgänge scheinen also nicht zu deinem Repertoire zu gehören, viel mehr allerdings das in Schutt und Asche gelegte, dass du zurück lässt. Dabei bist du so sanft wie schonungslos vorgegangen. „Alles wird gut“ ist der Schlüssel aller Türen, die du öffnen möchtest. Man mag es kaum glauben, aber er passt. In jedes verdammte Schloss. Was du hinter der Tür vorfindest ist dir alt und vertraut, gelegentlich fällt es dir leicht, es zu verwüsten, andernorts bekommst du nicht mal ein Stück Papier entzweit. Was dir reichlich egal ist, dann ziehst du wieder ab, erneut still wie ein Windzug durch den Spalt eines gekippten Fensters, und bist weg. Das ist der günstigere der Fälle.

Hier kamst du, gekleidet wie ein Gentleman, lächelnd wie ein Großvater mit ebenso vielen Weisheiten. Die Ruhe liegt dir fest verankert in deinem Gemüt, schwere und kluge Worte sprichst du nur dann, wenn sie gebraucht werden, denn sonst glänzt du, und das reicht schon, durch Anwesenheit. Wenn du da bist, scheint alles gut, jeder Krieg überflüssig, Rachegelüste lächerlich, Vergeltungsschläge naiv, ja, bei dir merkt ein jeder, dass in der Ruhe nicht nur die Kraft, sondern auch die Erkenntnis liegt. Du legst die Hand zur richtigen Stunde auf die Schulter, legst ein jedes Gesicht dann wenn dieses es braucht an deinen Brustkorb eine Hand leicht den Kopf streichelnd und beruhigst das stürmische Gemüt zu aller Erst. Dann lässt du es aussprechen, ausweinen und hältst wie immer eine warme Tasse Tee bereit, einen gemütlich eingesessenen Sessel mit zwei Fell überzogenen, braunen Kissen und einer Wolldecke, in der die meisten dann sanft in den Schlaf gleiten, denn solche überschäumenden Emotionen sind extremst Kraftraubend, wie du weißt.

Du hast nie gesagt, dass du halten kannst, was du versprichst, aber auch nicht, dass alles was du versprichst sich von heute auf Morgen in Luft auflösen kann.  Woran, um alles in der Welt, soll man denn dann noch glauben?
Und gerade jetzt, wo alles in sich zusammenbricht, wie ein Kartenhaus auf Sand, jetzt, wo meine Beine keine Kraft mehr haben und ich wie in einem Alptraum mit herunter gelassener Hose vor der gesamten Schulklasse stehe, nackt im Leben, da haust du ab?

Kein Tee, keine Decke, nur eine endlos scheinende Ruhe umgibt meinen Kopf. Die Zukunft ist so rosig wie ein grauer, wolkenverhangener Tag aus. Keine Spur von dir. Hell geht ins Dunkel über, Dunkel wieder ins Hell. Es macht keinen Unterschied mehr. Du bist weg. Schneller als gedacht. Als wärst du nie dagewesen.

Hoffnung.


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