Du packst deine Sachen zusammen, willst mich verlassen. Verlässt mich. Fein säuberlich mit zu viel Ruhe in den Knochen legst du Kleidungsstück für Kleidungsstück in deinen alten, hellbraunen -du sagst immer Moccafarbenen- Koffer.
Ich sitze da, auf der Bettkante. Sie scheint sich langsam aber beharrlich in mein Fleisch einzukeilen, sowie Blutegel sich mehr und mehr an der Haut fest saugen. Doch dieser kleine Schmerz scheint mir so dumm, so absolut abstrus, so dass ich ihm keine Chance gebe, an Wichtigkeit zu gewinnen. Denn im Vergleich, zu der Monumentalwende, die sich gerade in meinem Leben, jetzt, hier, vor meinen Augen, in diesem Augenblick vollzieht, ist diese blöde Bettkante scheiß egal.
Ich weiß einfach nicht wohin mit mir, fühle mich wie ein zertragenes, einst liebgewonnenes, jetzt jedoch ausrangiertes, überflüssiges, aus der Mode gekommenes Stück deiner Kleidung, dass es nicht lohnt, mit zu den alten Bekannten in den Koffer -fein säuberlich- zu packen. Nein. Keine Erinnerung wert. Kann und wird durch ein besseres ersetzt werden. Selten habe ich mich als Mensch so dermaßen deplatziert und überflüssig gefühlt wie an diesem Tag. Meine Liebe ist nichts wert, ich ein träger Körper, sitzende Biomasse, verschwendetes Leben, O2-Verbraucher.
Mit jedem in den Koffer wanderenden Kleidungsstück werde ich unbedeutender. Alles, was für mich übrig blieb, war, dort, genau da, sitzen zu bleiben und das falsche Lächeln in Empfang zu nehmen, das für mich gerade noch gut genug zu sein scheint. Wie es sich anfühlt, scheiße zu sein? So. Man gönnt es sich selbst nicht, ein Mensch zu sein, zu atmen geschweige denn eine Sekunde Spaß zu haben, sich gut fühlen zu dürfen, oder ein Individuum zu sein. Man ist ein Häufchen Elend, Abschaum, gehört in einer Anlage geklärt. Das Skurrile an dieser Situation ist: ich musst ständig dran denken, wie wir vor schier unendlicher Zeit zusammen, sie saß auf meinem Schoß, beschlossen hatten, zusammen zu ziehen. Vor dem alten, flackernden Bildschirm, dessen besch einst weiß war. Wohnung für Wohnung. Ihr warmer Körper nah an meinem, man konnte gar nicht nah genug aneinander sitzen.

Wir wollten verschmelzen, zwei zu einem werden lassen. Jede Berührung war ein Traum, war schön, zärtliche Vertrautheit. Die Welt wurde aus zweien zu einer zusammengetragen. Wir hatten kaum Geld und die schönste – jetzt wird mir das auf dieser beschissenen Bettkante klar- Zeit unseres, wenn nicht unseres, dann eben meines Lebens.

Die Tür knallt. Du bist weg. Oh fucking heart.

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