Sie sagte „vertraue mir“. Das sagten sie alle und bisher wurde er, darauf konnte er sich verlassen, immer enttäuscht. Er verließ sich und wurde ausgenommen, hintergangen, stehen gelassen, verlassen. Aber okay, noch einmal. Scheitern war nicht eine seiner Qualitäten und sollte es auch nicht werden. Liegenbleiben war etwas fürs Bett, etwas für kranke, aber nichts für Menschen, die weiterleben wollen.
Leben war immer, das war ihm klar. Sie war irgendwie wie das Leben, das merkte er. Sie hatte eine normale, aber schöne Figur, wusste sich, gerne mit Farben, anzuziehen, hatte meistens einen Pony und einen Zopf, schöne braune glatte Haare und grüne Augen. Leichte Sommersprossen hatten sich auf ihren Wangen breitgemacht und wenn sie kiffte, dann war es, als würde sie Genuss pur in sich aufsaugen. Entweder kiffen oder trinken. Beides ist nicht. Aber keins von beiden mehr schädlich als das andere. Das waren ihre Aussagen. Dabei lächelte sie immer. Ein sanftes lächeln, als würde sie einen schon immer gekannt haben. Sowieso wirkte abstruserweise alles sanft und gespannt zugleich an ihr. Sie war locker, lustig und nahm nichts zu ernst. Er mochte ihren Humor, verließ sich darauf mit ihr zu lachen, wenn sie sich trafen. Sie trafen sich seit den letzten zwei Wochen häufig, und er hatte schnell festgestellt, dass sie eine extrem gute Küsserin war. Er mochte gute Küsserinnen, aber wer mochte diese nicht.

Am normalen Leben ist nichts verkehrt. Denn, ein unnormales Leben gibt es nicht. Das muss erst erfunden werden. Es gibt ein kein-Leben, dann, wenn andere Menschen beginnen, Entscheidungen für einen zu treffen, die eigenen Entscheidungen und den eigenen Willen ignorieren und man sich dessen beugen muss. Genau an diesem Punkt. Normal ist alles andere. Alles. Wir dürfen uns selbst zerstören. Dürfen uns selbst an Grenzen treiben. Dürfen selbst von Risiko zu Risiko springen. Wer achtsam ist wird merken, kaum einen interessiert es, was wir, du und ich, da eigentlich machen. Du spritzt Heroin? Sags keinem und keiner weiß es. Du liebst dein eigenes Geschlecht, bist also schwul oder lesbisch? Scheißegal. Selbst damit kann man leben, ohne dass es jemand erfährt. Es gibt weder gut noch schlecht. Nur Dinge die man tut, und Dinge die man nicht tut.

Advertisements