Lokal. Verraucht. Definitiv eine Absteige. Oder sollte man sagen ur-alt eingesessne Kneipe? Der Kellner hat sein Moccafarbenen, ausgeblichenen Pulli diesen Abend in seine zu hoch gezogene Hose gesteckt. Seine Frisur kam zustande, dass er nach dem Duschen mir ruckartigen Bewegungen seine Haare mithilfe seines Handtuchs trocknen wollte. Als er sie erfolgreich trockengerubbelt hatte, war die Abendfrisur fertig. Auf jeden Fall ein Ort, den man gerne nicht kennen darf. Am Tisch mit eingesessen heterosexuellen. Inwiefern das den Abend prägte? Aufgepasst.

„Ey, alter, sag du bist Wassermann, echt jetzt“ lacht mich sein kampflustiges, faltenfreies und so selbstbewusstes (seine Augen sagten alles) Gesicht an. „Frauen fahren voll auf diese Sternzeichenmiste ab“. Wohin nur mit diesen Informationen fragt mich ein kleiner Gnom in meinem Hirn sitzend, der einfach nicht weiß, was das alles soll. Ich einige mich mit mir selbst zu lächeln und zu nicken. In der Hoffnung die faltenlose Fratze hört mit diesem Stuss auf. Vor ihm steht ein Glas gefüllt mit irgendwas mit Cola. Hochprozentig mit Cola. Ich hatte, er bestellte drei mal den gesamten Abend über, nicht einmal den Namen richtig fassen können. „Weißte was, ich sag echt viel zu oft alter… aber echt mal drauf geschissen. Is doch schwul diese Scheiße.“ Obwohl aus seinen Lippen keine großartig komplizierten Satzgebilde schießen, kostet es mich tierisch viel Anstrengung diesen paar Zeilen die richtige Gewichtung von Wichtig-Unwichtig zu geben. Verdammte hacke, der Kerl machte mich fertig. Und ich weiß auch nicht, wieso er plötzlich begann über Schwule her zu ziehen. Während ich das noch dachte, schoss mir durch den Kopf, wie pienzig ich bin. Soll er doch über sie herziehen. Ist doch sowieso keiner anwesend. Aber halt, Kleinvieh macht auch Mist. Bevor ich die Kausalkette in meinem kleinen Hirn bis zu einem Zwischenergebnis treiben konnte sagte er, ich solle auf jeden Fall den Frauen, die denn noch kommen sollten, sagen, ich sei solch ein Sternzeichen-Wassermann whatsoever. Im Nebensatz erwähnte er dann weiterführend, dass er seiner Mutter ebenfalls erklärt hatte, die Benutzung des Wörtchens schwul sei eben sowas wie Mist, habe aber nicht im geringsten was mit der eigentlichen Bedeutung des Schwulseins zu tun. Was mir dazu einfiel war nur, Herrgott, dann sag doch einfach Mist und nicht schwul und können wir vielleicht mal über irgend etwas mit Konsistenz reden, oder zumindest weniger verfängliches?
Das nächste Thema waren Drogen. Eines meiner Lieblingsthemen. Doch plötzlich wollte die ganze Bande, es saßen mehrere Menschen am Tisch, er führte das Gespräch, Haschkekse backen. Morgen? Oder jetzt doch erst Samstag? Mein Hirn nahm reiß aus. Es gab also keine Drogen mehr heute Abend. Der Mann mit Pulli in der Hose kam noch einmal vorbei. Die Frauen, von denen die Sprache am Anfang gewesen war, kamen auch noch, fragten mich nach meinem Sternzeichen, runzelten skeptisch die Stirn als ich nicht Wassermann sagte, und auf die Frage ob Männer oder Frauen, ob Single oder in einer Beziehung gab ich dem Pulli-in-Hose Kerl noch eine Anweisung mir mehr zu trinken zu bringen. Howdy darling, WTF!

Advertisements