Der Traum der kleinen Louise kam immer näher. Stück  für Stück. Minute für Minute. Er rutschte über den Asphalt, überkletterte den Gartenzaun, um weiter über die Wiese in ihre Richtung zu kommen, wartete kurz vor dem Teich, der war dem Traum nicht ganz geheuer. Mit Wasser kannte der Traum sich nicht aus, es sah von oben flach und glatt aus, warm oder kalt, hattte  aber letzten Endes nichts mit all dem zu tun. Glatt. Überquerbar. Es gruselte dem Traum vor Gewässern aller Art. Nun denn, weiter voran. Egal was die Intuition sagt, es musste, schließlich wars ein Traum und der sollte nicht stillstehen. Er nahm etwas Anlauf und sprang. Es war ein guter Sprung. Hoch und weit. Beim Aufkommen stauchte sich der Traum seine linke kleine Hoffnung, aber das sollte ihn jetzt nicht weiter behindern. Guten Mutes stapfte er weiter. Durch den Busch noch. Diese fiesen kleinen verästelungen mochte der Traum genau so wenig, wie Gewässer. Doch die Zeit drängte, also nahm er die linke gestauchte Hoffnung in den Arm und sprang etwas wackelig auf der rechten gekonnt ausweichend durch die ihm entgegen kommenden Äste. Autsch, das war das kleine, warme Glück gewesen, aber macht nichts, das wächst nach und Louise ist gleich da vorne. Sie starrte derweil wie benommen auf das Fortkommen des Traums, der eine Menge Lärm veranstaltete, während er versuchte, den Busch Vergangenheit sein zu lassen. Die Hoffnung hatte er beinahe verloren und das Glück war geknickt und sogar ein Teil abgefallen, aber der kleine Traum blieb tapfer. Wild schnaufend setzte er zu einem Sprint durch das Letzte Dickicht an, trat allerdings in eine Vertiefung über die Moos gewachsen war, geriet ins Taumeln und fiel. Er krachte mehr als ungünstig auf die Liebe die schrecklich zu bluten begann. Auch das Lachen hatte ordentlich Kratzer abbekommen, aber er wollte auch so am Boden liegend die kleine Louise nicht länger warten lassen. Also streckte der Traum seine rechte aus, um sich das letzte Stück auf seinem Bauch liegend bis zu Louise zu ziehen.
Louise staunte nicht schlecht, als sie den ramponierten, mitgenommenen Traum beinahe direkt vor sich sah. Sie wunderte sich, dass solch kleine Hindernisse solch großen Schaden hinterlassen können. Sie lief dem kleinen, jetzt weinenden, aber tapferen immer noch kämpfenden und nicht aufgebenden Traum schnell entgegen, ließ sich vor ihm auf die Knie plumpsen, streckte ihre Hände aus und nahm den Traum behutsam auf. Er war immer noch schön weich, aber er hatte kaum noch Kraft. Louise wusste aber nicht, wie man Träumen helfen kann, also blieb sie dort auf dem wunderbar grünen Gras, vor dem Busch, sitzen mit dem Traum in der Hand und begann leise zu weinen. „Lieber Traum, wie kann ich dir nur helfen“ fragte sie schluchzend. „Das musst du nicht“ sagte der Traum schwach. „Ich werde mich entweder erholen oder verschwinden, beides ist nicht schlimm und wird genau so kommen, wie es kommen soll.“ Louise war verwirrt und weinte immer noch. „Aber ich muss doch etwas tun können für dich. Man kann immer etwas tun.“ Louise wurde unruhig und immer trauriger, denn sie wollte nicht, dass der kleine Traum, der nur so ramponiert war, da er sie erreichen wollte, verschwindet. Während sie ungläubig auf den kleinen Traum, mit der gestauchen Hoffnung herab sah und ihre Blauen Augen immer wässriger wurden, löste sich eine Träne und rann ihre Backe herab bis zu ihrem Kinn. Dann eine zweite und eine Dritte, als ob sich ein Strom aus Tränen bilden würden. Der Traum machte sich Sorgen und bat Louise nicht zu weinen. „Träume kommen und gehen, Louise. Und du hast ein gutes Herz, bitte weine nicht um mich.“ Sagte der Traum.
Die vielen kleinen Tränen bildeten einen großen Tropfen am Kinn von Louise. Als sie erneut schluchzte, löste sich der Tropfen und fiel schimmernd vom Sonnenlicht auf den Kopf des Traums, der erschrocken seine Augen, die er geschlossen hatte aus Erschöpfung, öffnete. Sein Gesicht bildete plötzlich ein großes Lächeln, seine Augen strahlten und er begann pink-bläulich zu leuchten, in einem schönen, unglaublich warmen Farbton. Der Traum wurde immer wärmer in den Händen von Louise und roch so unglaublich schön. Wie ein Blumenbeet, dachte Louise. Sie freute sich so sehr und fragte „bist du wieder gesund, kleiner Traum?“ Dieser antwortete nur sanft lächelnd „ja Louise. Wahre Liebe und Ehrliche Tränen der Zuversicht heilen Träume. Nun trockne deine Tränen und leg mich zu den anderen Träumen.“ „Aber ich will dich behalten“ sagte Louise noch immer leicht traurig. „Das tust du bereits, und wirst es immer, wie all die anderen Träume. Denn hier gehe ich nicht weg, aus deinem Herzen.“ Als Louise den Traum weiter drückte, schloss sie die Augen und schlief mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.

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