„Okay, lass mir dit mal festhalten“
„Oh nein, nicht schon wieder..“
„Doch, und sei still. Dit is keen Witz, weeste. Du krichst hierführ Kohle, andere würden sichn Arsch freun, wennse dit machn könnten.“ Seine Stimme wird immer leicht zittrig, wenn er was ernst meint. Claudia nickt, Widerworte sind nutzlos wenn er davon überzeugt er hätte Recht. Seine Scheuklappen sind aufgefahren, die weißen Stellen an den Außenrändern seines Mundes ziehen mit jedem entusiastischem Wort weite Fäden und die Druckwellen riechen nach kaltem Tabak und Alkohol. Es ist halb zwölf, seine Haare sind fettig, sein Bauch fett und er kratzt sich während der Ermahnung im Schritt. Sie braucht die scheiß Stelle.

Claudia sich freut nach einer zwölfstundenschicht ihre Kleine in einem Theaterstück integriert zu wissen, finden sich doch nur betrunkene Träume zwischen den Plattenbauten und dröhnenden U-Bahnstationen, zukuntsperspektive billiger HipHop, die Bande aus Block zehn, Stock fünf, dritte Tür links, Mensch Big T (eigentlich heißt er Tim und hat einen zu schnellen Stoffwechsel, nimmt nur schwerlich zu, hat sprödes, blondes Haar, schöne, blaue Augen, und ist sehr bleich, trägt eine zu dicke silberne Kette und T-Shirts, die einem halbwegs Elefanten wie angegossen passen könnten, vielleicht daher das Big, um seine Naturverbundenheit zu den Dickhäutern subtil zum Ausdruck zu bringen) bringt dich nach vorne, er schwört, er hat die Kontakte, kennt jemanden von Sony- alter. Scheiße klebt an Häuserwenden, an verrosteten Schaukeln kann man das Spielen üben, aber Vorsicht wegen den vielen Spritzen, die sind zwar leer, aber du weißt nie, wo sie drin gesteckt haben.
Das Bratfett klebt wie eine Sünde an ihrem Shirt, sie will Tänzerin werden, doch jetzt hilft die Kleine ihrem Paps im Pommesstand. Alle sagen, sie hat so ein tolles Lachen, kann so schön singen, und mit dem Klebstoff, das hat sie mal auf ARD gesehen, obwohl sie nicht so viel Fernsehen soll, aber Mami und Papi sind sowieso so selten zuhause, hört sie auch bald wieder auf. Nur ist es so schön und er riecht so gut. Und so schlimm ist es doch dann nicht, wenn was so gut riecht und den muss man in der Schule ja sowieso dabei haben. Und das mit den Zigaretten ist nichts für sie, ist nicht gut für ihr Stimme hat ihr Lehrer in Musik gesagt, der mit seinen behaarten Händen ihre kleinen immer anfasst, mit seinem Spuckigen-speckigen-rauchigem Atem dann immer viel zu lang viel zu wenig sagt und mit seinem dicken Daumen über ihr kleines Handgelenk fährt.
„Du bist die Zukunft“ sagt er dann immer. Das macht aber nichts, denn sie wird Mami und Papi glücklich machen, hat sie sich fest vorgenommen. Tobi sitzt leider im Jugendgefängnis, hat eine alte Frau geschlagen, um ihr danach die Handtasche weg zu nehmen, wie in sonem scheiß assifilm hatte Paps geschimpft, Mami hat geweint, Mami weint oft.

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