Es war so klein. Und weinte so jämmerlich. Es war traurig, sah traurig aus. Dieser sanfte, wie aus samt geformte kleine Schmerz hatte sich wie ein grauer Schleier über den kleinen Körper und das kleine Herz gelegt, ruhend, kalt. Kleine durchsichtige Tropfen liefen aus den Augen gen Boden, den großen, nussbraunen, beinahe schwarzen Augen, die so gerne und groß in die Welt um sich herum guckten und alles verfolgten was lief, kroch oder flog. Oder schwamm . Wollten nicht mehr im Körper sein. Waren enttäuscht von allem und jedem. Wie kann man nur so traurig sein, dachte es bei sich.
So lag es dort, das kleine Sandkorn und war so bitterlich traurig, dass alle anderen Sandkörner sich schon Kopfhörer mit glücklicher, bunter, schöner Musik angemacht und aufgesetzt hatten.

Ein Elefant lief vorbei und wunderte sich über das Gemenge von den Gräuschen. Sonst, so wusste er, war es hier immer so schön ruhig, doch ein leises Schluchzen unterbrach das seichte Meeresrauschen, den leicht böigen Wind, das Rauschen der Blätter. Er hielt in seinen Schritten inne und wartete eine Weile. Es war ansich ein unglaublich schöner Tag, der Sand lag weiß unter seinen dunkelblauen Füßen, die Vögel lachten mit den Möwen umher und spielten im Meer ihre unbefangenen Spiele der Endlichkeit. Das Wasser lag in seiner schwere am Strand und genoss das Sein.

Sein Blick schweifte eine Weile umher, bis er auf das kleine, einzelne Sandkorn mit den großen, braunen Augen fiel. „Weinst du etwa so?“ fragte der Elefant sich wundernt. Er hatte noch nie zuvor ein Sandkorn weinen gesehen. Die Sandkörner, die er kannte, waren die glücklichsten Körner aller ihm bekannten Körner. Um so erschreckter und besorgter war er nun. „Ja, *sniff, das bin ich, es es.. “ das Sandkorn gab sich große Mühe die Worte verständlich hervor zu bringen „es tut mir so leid. Bitte geh einfach weiter.“ Doch der Elefant blieb beharrlich: „Nein, du bist so traurig, da kann ich dich nicht alleine lassen. Sag mir, mein kleines, was bedrückt deine kleine Seele so sehr?“. Das Sandkorn blickte ihn an und die Tränen nahmen zu. Es konnte kaum richtig reden, also lief der Elefant neben es, setzte sich an seine linke unter die Palme mit dem Blick auf das smaragtfarbene Meer gewandt.

Es wurde Abend, der Sonnenuntergang war Atemberaubend, das Schluchzen wurde leiser, und die Nacht brach hinein.
„Ist es besser kleines Sandkorn? Kannst du es mir nun erzählen?“ fragte der Elefant das kleine Korn.
„Nagut, danke, dass du so lange gewartet hast. Es ist so“ begann es. Es erzählte von vielen Geschichten mit anderen Sandkörnern, wie sie zusammen gelacht hatten, Geschichten erzählt und miteinander alt werden wollten. Doch dann wurde es vom Sand verweht, bei einem schrecklichen Sturm. Die Sandkörner hier waren anders nett. So anders, trotz ihrer Freundlichkeit, dass das Sandkorn sich immer einsamer inmitten des ganzen Strandes fühle. Obwohl die anderen auch nicht in besserer Gesellschaft waren, waren sie immer glücklich und so fühlte sich das Sandkorn nicht nur deplatziert, nein, sondern auch noch schwach und dumm. Wieso war nur es so traurig, wieso wollte es etwas anderes als all die anderen Körner?
„Das klingt nicht gut.“ meinte der Elefant nachdem er eine Weile zugehört hatte. „Aber die anderen Körner sind nicht weniger traurig als du, sie haben nur gelernt, das Traurige als gegeben hinzunehmen. Sie kennen es nicht anders. Sie sind auch verletzt und ihnen fehlt etwas, doch sie haben ihre Musik, ihre Witze und ihre Sonne, also müssen sie darüber nicht nachdenken.“

Das Sandkorn stutzte. „Aber wieso reden sie denn nicht darüber?“

„Weil sie dann genau so weinen würden wie du, kleines Korn.“
„Bist du denn nicht traurig?“ fragte es weiter.
„Weißt du, ich glaube schon. Und du musst dich nicht schlecht fühlen, weil du es bist. Ich glaube, ich bin traurig. Aber das ist gut.“
„Wieso ist es gut traurig zu sein?“
„Dann weiß ich immer, wie es ist, glücklich zu sein.“

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