Alter Punkrock. Genau so IN wie die Artikel vom Trödel, vom Flohmarkt, Oma Anni ist tot, jetzt liegen sie dort, die Lampen, die CD-Hüllen, die Teekannen ohne passenden Deckel, Gemälde bei denen der Rahmen das kostbarste ist, das Bild selbst nur noch als Nippes durchgeht und bei irgendwelchen mies- eingerichteten Wohnungen an der Wand landet, da den Käufern keiner gesagt hat, dass man mit gekaufter Ware machen kann was man möchte. Gemixt mit Dosenbier und Korn oder Schnaps. Die Tatsache, dass all das erneut auf dem aufbaut, was so dermaßen verschmäht wird, ist mehr Ironie des Lebens als alles andere- auf Materialismus. Denn Kornflaschen werden gesammelt und gehütet wie der Augapfel, das Dosenbier landet vorsichtig in der Netto-Tüte, denn Dosenpfand ist der sichere Pfad für und in den nächsten quasi-Pfandfreien Einkaufsbummel.

Die billigen Boxen dröhnen Ossi-rock in den Raum. Blecherner Bass und übersteuerte Brüllaffen tönen aus der Anlage. Wo denn die alte Anlange verschollen sei und ob man nicht mal besser Boxen kaufen möchte, ist doch Musik sowas wie ein Steckenpferd in ihrer Überzeugung des Daseins wird schräg beäugt und mit flauem Atem  einhergehend mit dem ausgelösten Gelächter auf diese Frage kommentiert. Es ist so, als würde ein Mensch auf einer Großdemo ein mieses, altes, überholtes Megafon benutzen um die Menge zu mobilisieren. Ein Flair aus gewollt aber nicht gekonnt macht sich breit.

Die Augen die einen angucken, stecken in ledernen und stoffenen Bekleidungsstücken, die gerne belöchert sind, hier ist die Wertschätzung warmer und intakter Kleidung im wahrsten Sinne der Aussage aus der Mode gekommen. Mit zwanzig war man noch fit, auch mit zwölf Bier zum Frühstück, konnte einem Bullen richtig schön in die Fresse treten, Steine schleudern, Flaschen hinterher werfen- an Flaschen bzw. Dosenpfand war da noch nicht wirklich zu denken. Drauf geschissen, jetzt ist dieser Punkt nostalgie und funktioniert höchstens noch im Museum. Gegen was will man denn auch noch rebellieren?

Das alte Sofa, auf dem die aus sondierte weit überholte Clique sitzt und schläft hat Berge von Kotze überlebt, Bierfluten, Kippenattacken und Dünnschiss von den Kötern. Denn diese gehören laufend zum Inventar wie der tägliche Konsum der vielen Spirituosen. Es macht leicht traurig, ihm zuzusehen, er zeigt einem genau wie mein Großvater Bilder, allerdings ist mein Großvater 101 Jahre alt und darf dass mit schlaffem Blick und zittrigen Händen machen- er ist aber erst 42. Seine Haltung ist gebäugt, seine Glieder baumeln an seinem Körper herab, er könnte nichtmal einen Jungtrieb von Baum aus der Erde ziehen. Es hat sich ausgepunked, nur eben nicht in seinem Leben. Innerlich ist er noch Neunzehn und wirds den Wichsern von Kapitalisten schon zeigen. Die Nieten an seiner Lederjacke sprechen dennoch eine härtere Sprache als sein Gesicht oder seine beinahe schon vom Alkohol wegatrophierten Muskeln.

Seine schlaffen Schritte ziehen sich in Richtung Späti, da kennt man sich, Harzer, nachts Raver und Punks, um den Standard zu holen. Die Lederjacke spuckt dem Betrachter von Hinten ins Gesicht: Punks not dead.

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