Ich habe mich heute mittag bis zur Asche verbrannt, den ganzen Korpus, das überflüssige Fleisch, die zähe Muskelmasse, das zottelige hornige Haar überall, die harten Knochen, die labberigen Sehnen, blau und rot gefüllt, alles weg weg weg. Denn Staub kannst du nicht verletzten. So bin ich dann zu dir gegangen, du Tyrann, hab an deine Tür geklopft und du hast dich über die Schweinerei beschwert, dabei magst du es, wenn ich schwarz trage.
Jetzt ist später als vorhin, du beglotzt unschlüssig und kopfkratzend das Häufchen schwarz vor dir, weißt gar nicht, was du jetzt sagen sollst, denn jetzt bin perfekt. Im nu im Winde verweht wenn du es willst, ohne viele Worte zu verlieren, du müsstest nur Husten. Scheiße. Nur Husten. Und was machst du? Du zündest dir in aller Genüsslichkeit eine verfluchte Zigarette an und machst das Fenster auf.
Hier liege ich, habe alles gegeben, alles , ALLES VERDAMMTE SCHEIßE UND DU RAUCHST NUR SO VOR DICH HIN?!

Eva war eine treue Seele, treu bis in den Tod. Immer schrecklich verliebt, in irgendjemanden. Trank gerne Bier, mochte platte Gespräche, da konnte sie sicher gehen, nicht verletzt zu werden. Hatte immer Partnerprobleme, denn sie hatte kaum Charakter, war aber äußerst kreativ. Evas Blick war fesselnd, ihr Lachen einnehmend, ihre Witze einfach und ihr Charme ganz normal. Sie mochte Vanilleeis mit Sahne, trank gerne Limonade und war nicht sonderlich begabt im schnellen Lesen, konnte aber, so sagten es viele Freunde, fabelhaft zuhören und analysieren. Eva liebte Morgende, liebte Crossaints mit einer Zigarette, mochte alte, verblasste, zerfledderte Bücher lesen, selbst, wenn die Geschichten nicht sonderlich fesselnd waren. Eva hatte einmal einen Stock im Wald ein Ballerinakleidchen umgebunden und war mit ihm in ein Tanzstudio gegangen um dort ordentlichen Foxtrott und Walzer zu lernen. Endlich jemand, so dachte Eva, der ihr nicht immerzu auf ihre grazilen Zehen tritt, wenn um die eingebildeten Kreise getanzt wird. Sie wurde ausgelacht, als schwachsinnige Lesbe, dabei wusste doch Eva, die lange Zeit im Ballett auf der lokalen Bühne getanzt hatte, dass auch Jungens solch ein schönes Kleidchen tragen. Ging es doch nicht ums Geschlecht dabei. Aber das verstanden die dummen Dicken anderen in dem Studio nicht, sie wollten sich nur nach ihrem fetten Essen auf das Parkett stellen, nach Knoblauch riechen und ihre blöden ollen nicht-kreise ziehen.
Eva verbrannte sich. Komplett. Sie dachte Peter würde das verstehen. Aber als er das Fenster öffnete wusste sie, dass irgendwas in ihrem Leben nicht stimmte. Hier lief irgendwas schrecklich falsch.

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