Das Pink des Morgens rüttelte dich wach und begann dir die Geschichte des weißen Diamants aus Baumwolle zu erzählen. Du warst verschlafen, das Kissen unter deinem zerzausten Haar zu weich, vertraut und bequem als das du dich hättest voll und ganz konzentrieren können. Doch die rauhe, ruhige und warme Stimme ließ dich langsam immer mehr zu Bewusstsein kommen.
Da saß er, der weiße Diamant. Er glänzte zurückhaltend und scheu in einem so unglaublich schönen Licht, dass du dachtest, du würdest träumen. Afrika. Er erzählte von einem Kontinent, wärmer, rauer, wüster und aufgewühlter, als du dir das hier, auf deinem Kontinent jemals hättest erträumen lassen. Er erzählte dir von seiner Familie, von anderen, bunteren, aber auch dunkleren Diamanten, die weniger weich und zutraulich wie er waren.
Er nahm dich mit auf die Reise, und du hörtest viele Stimmen. Es roch nach verbranntem Holz, Schweiß, es war laut, klang nach Dieselmotoren, es roch nach Hitze und kleine Kinderstimmchen wurden lauter und lauter, um so länger der Diamant erzählte.
Er komme aus dem dunkelsten Fleckchen, dass man sich überhaupt vorstellen könne. Menschen, Kraft, Blut, Schweiß und Generationen über Generationen von Menschen, vor allem aber sehr jungen Menschen, hätten ihn, voll Hoffnung und zugleich Verzweiflung, aus den Tiefen des Herzens seines Kontinents geborgen. Er sei der erste und einzige seiner Art.
Aber warum bist du dann bei mir? Und erzählst mir diese traurige und schlimme Geschichte?
Weil ich bis hier hin gekommen bin. Weil ich hier sein soll. Und meine Geschichte jetzt ein Teil von dir ist. Ob du möchtest oder nicht.

Der Diamant weinte. Kleine Regenbogen kamen aus seinen Augen gelaufen. Du nahmst ihn in deine Arme und flüsterst ihn in sein Ohr: alles wird gut.
Das pink wurde rot wurde orange und immer mehr zu blau. Und du hattest einen Diamanten. Den du nie gesucht hattest. Der dich aber gefunden hatte. Einen Diamant aus Baumwolle.

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