Die zwei lachen. Er hat sie über seine rechte Schulter mit seinem Hand auf ihrem Arsch gelegt. Sie könnte ihm glatt am Arsch lecken. Denkt er. Sie tragen weiße und besche Klamotten. Wer bitte trägt weiß und besch? Denkt er sich. Deine alte, behaarte Hand wandert zum Paulaner, das zum Mund. Schluck. Zurück an seinen Ursprungsort. Da liegen also die beiden und lachen.

Sie sind an einem Strand und lachen. Sie haben wunderhübsche Haare, haben sie wirklich. Sie sind wahrscheinlich ein Pärchen, eines von vielen. Überlegt er sich. Im Hintergrund ist Meer zu sehen. Irgendein Meer. Und kaum Wellen. Auch das Meer hat einen seichten Beschton in seinem ganzen hellblau, denkt er sich.

Er rümpft die Nase und nimmt sich die letzte Zigarette aus der Schachtel vor ihm. Ein polnische Marke, billiger. Auf dem Bau, überall gibt es hier Bau, gibt’s die. Einfach kurz fragen. Die schmuggeln doch alle, verdienen sich da ihren Schnaps dazu.
Der Rauch steigt in seine Augen, die erste Schwate brennt nie. Erst nach den kommenden Zügen wird es in den Augen zwicken.

Seine gelbunterlaufenen Finger greifen erneut nach dem Bild. Da lachen sie also. Er und sie. Die sind höchstens dreißig. Und sie war sicher noch nie schwanger, die Titten hängen wie ne eins und sind null ausgeleiert. Soweit man das eben sehen kann. Titten hat er schon viele gesehen. Wenn die ausgeleihert sind sieht man das auch durch ein Shirt. Vor allem ein weißes.

Sie hat blonde Haare. Er braun. Irgendwie alles klassisch, so soll es bitte sein. Harry hatte schon früh graue. Er wollte immer mehr Farbe, aber alles außer grau sah an ihm scheiße aus. Also grau.
Die Sonne bei diesem schönen Pärchen ging unter. Und war trotzdem sau hell. Man konnte die Zähne leuchten sehen. Keine Ahnung, dachte sich Harry, woher die sich solche Zähne genommen haben, aber normal ist so was nicht. Oder mal wieder mit Computern nachgemacht. Also die Bilder.
Vielleicht ist das auch ein Roboter Pärchen. Oder eins aus Schaumstoff. Und dann noch das verdammt schöne Licht.

Die Zigarette ist fertig geraucht. Genau wie das Leben. Macht aber nichts. Harry geht zum Kühlschrank und sieht- kein Bier mehr, kein Wein mehr. Verdammt. Jetzt auch noch ein TShirt überziehen, die Kinder da draußen bekommen immer so Angst, wenn ein männlicher Mensch seine Brüste nicht bedeckt. Da gucken sie komisch. Und werden still. Oder schreien laut. Beides, so Harry, scheiße und kein Kompliment. Harry findet Kinder sowieso absolut überflüssig und viel zu laut und schrecklich umständlich. Man kann sie nicht gut verstauen.

Auf dem Supermarkt geht Harry das Bild nicht aus dem Kopf. Diese scheiß fröhlichen Bastarde. Saufen wahrscheinlich nur Wasser und fressen Zahncreme. Verdammt. Er guckt in die Mülleimer, findet drei Pfandflaschen. Eine fällt runter, er ist am zittern. Seine Finger sind irgendwie ölig.

Harry löst das Pfand und geht zu den Weinen. Weiß, rot. Egal. Er hat kein Geld, nicht jeder kann so ein verdammtes Lächeln haben. Dann so ein scheißkind auf einmal. Harry hat gerade eine Flasche aus dem Regal genommen um sie zu studieren, da brüllt ein Zahnlückenjunge mit rotschopf laut auf ihn ein. Einfach nur dummes Gebrülle. Und stiert ihn mit seinen giftigen, durch und durch grünen Augen an.

Harry muss lächeln, obwohl er den Jungen hasst und ihn schlagen möchte. Lächeln, denn der verkackte Junge hat auch nicht so tolle Zähne wie das Pärchen. Wieso tut niemand was? Denkt Harry, denn der Junge schreit und schreit. Nichtmal die Pause zum luftholen ist still. Da knurrt der rotschopf die Pausen laut.

Harry mag Kinder einfach nicht. Er geht. Mit dem Wein. Von dem Kind weg.
Aber das Kind läuft Harry hinterher. Und schreit. Schreit, schreit und schreit. Brüllt. Harry wird schneller und läuft zur Kasse. Das Kind tritt ihm sogar schon in die Hachsen. An der Kasse gucken alle Harry an, keiner auf das verschissene, schreiende Kind. Das gibt’s doch wohl nicht, denkt Harry. „HALTS MAUL DU KLEINES SCHEIßKIND!“ brüllt Harry. Dabei ist Brüllen gar nicht Harrys Art.

Jetzt schütteln die ersten Menschen um Harry herum den Kopf und Harry sieht, wie die Sicherheitsbeamten auf ihn zukommen. „Bitte kommen sie mit.“ Sagt einer der zwei glatzköpfigen, volltättovierten Muskelklöße zu ihm.

„Ich will doch nur den verdammten Wein kaufen. Das Kind schreit mich ununterbrochen an. Ich kenn den Jungen nicht.“ Aber die beiden hören ihm nicht zu. Harry versteht nichts mehr und der Junge macht einen furchbaren Lärm. Der Lärm scheint immer lauter zu werden. Allen ist das egal, alle gucken nur Harry an.

„Warum glotzt ihr Idioten so? Stopft diesem Scheißgör die Fresse.“
Die Griffe um seinen Arm werden straff und Harry wird inzwischen von den beiden Wuchtkerlen gezogen. Alles geht so schnell. Vor der Tür angekommen, der Junge inzwischen verstummt, bekommt Harry eine Faust auf seine Nase. Es wird dunkel.

Harry kann nicht schlucken, liegt vor dem Supermarkt. Und er hat Kopfschmerzen, dass er nicht weiß, wo er hingucken soll. Nur die Flasche Wein, die hat er noch in der Hand.

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