Salat. Darauf Essig.
Und es gab Linsen. Für Würste fehlte das Geld. Wein war noch im Külschrank. Korn in der Gefriertruhe. Warum die beim öffnen immer nach Knoblauch, schalem alten Knoblauch roch, wusste Heiner nicht mehr. Die Erinnerung war einfach tot. Vielleicht war irgendwann mal was reingefallen, runtergefallen, verschluckt worden von diesem eisigen Automaten. Scheißegal. Er hatte dieses Ding sowieso nie in Benutzung. Nur angeschaten, Kron mochte er am liebsten kalt. Gefroren. Zum warmen Bier.
Heiner wollte nie viel essen, trinken fand er sowieso besser. Es ging schneller und hinterließ ein besseres Gefühl in der Magengegend.
Sein Motto, wenn es um essen ging war recht einfach: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Als er mit dem essen fertig war, wenn man das so nennen konnte, wurde ihm doch schon beim kauen immer schlecht, brachte er alte Dinge nach unten. Nicht, weil er endlich etwas wegwerfen musste, sondern vielmehr als dem Antrieb heraus, mal wieder etwas zu tun. Irgendwas. Außer zu trinken. Und zu kauen.

Das Treppenhaus roch nach altem Schweiß, war dunkel und die ehemals beschen Treppen braun. Hier war seit Ewigkeiten keine Putze mehr drüber gegangen. Nebenan schrien Kinder. Unten bissen sich Katzen die Ohren ab und verbrannten sich die Schnurrhaare mit Kerzen. Die Mülleimer im Innenhof waren verklebt. Die Griffe angebrochen. Nur noch zweieinhalb Räder der ehemals vier. Der behinderte, verdreckte Müllwagen. Heiner machte ein paar Schritte um die Hundehaufen und angetrockneten Kotzepfützen, um mit einem Schwung über die rechte Schulter das bisschen „Müll“ in den Schlund dieses verklebten Schluckers zu werfen.

Danach setzte sich Heiner vor die triste Fassade und beglotzte sie. Und die Menschen. Und die Fassade. Seine Füße. Das waren hässliche Füße. Gilbe Fußnägel. Angebrochen. Streifenmuster aus Horn. Er hatte vergessen sich Schuhwerk anzulegen. Nun saß Heiner da. Barfuß. Und stierte wie ein Idiot auf diese Häuserfassade vor sich. Man sollte etwas zu tun haben ging es Heiner durch den Kopf.

Also stand er auf und lief zu Aldi. Dort steckte er sich, Barfuß und versoffen, alle möglichen Dinge in die Taschen. Ging zum Spirituosenregal. Glotzte eine Weile lang drauf. Nahm zwei Flaschen Korn, klemmte sie sich unter seine rechte Achsel, nahm in jede Hand eine Flasche billigen Rotwein und ging zur Kasse. Er blieb vor der Kassiererin stehen. Und guckte sie an.

„Legen sie das Zeug einfach auf’s Band man“ sagte sie genervt. Heiner reagierte nicht. Er stand da und glotzte sie wie paralysiert an. „Nun legen sie den Scheiß schon auf’s Band, sind sie dumm oder was?“ fragte sie, genervt, ungeduldig und zickig. Sie begann laut und nervös auf ihrem Kaugummi rumzukauen. Heiner hörte das Schmatzen, dass sie verursachte, und hasste es. Hasste sie. Ihre Aschblonden, lila-gefärbten Haare, ihr Lippen und Nasenpiercing, ihre rosaglitzernden Lippen und ihre kleinen, prallen Brüste. Alles regte Heiner auf. „Halt die Klappe Schnepfe“ murmelte er.
„Halts Maul, oder ich ruf die Security alter. Was stimmt mit dir nich, hä? Bist du dumm oder so? Zahl einfach.“ sagte sie, lauter werdend. „Ich hab gesagt“ fing Heiner an „du sollst dein scheiß M AU L halten“ Heiner war ins Schreien übergegangen. Er brüllte die kleine, mitte zwanzigjährige an. Vor der Kasse. Mit dem Wein in den Händen. Dem Schnaps unterm Arm. „Ich hasse DICH“ brüllte Rainer weiter.

Der Mitarbeiter an der Kasse hinter Heiner stand auf und sagte laut „Entschuldigen Sie B I T T E, weder in diesem T O N noch zu meiner Kollegin!“ Aber Heiner hörte nicht zu. Sein Zorn ließ alles um ihn und die Verkäuferin herum schwarz werden, verschwinden. Die Umwelt war betäubt, wie im Rausch. Es gab nur noch Heiner und die Verkäuferin. „ICH HASSE SIE!“ Heiner rastete aus.

Z-A-C-K. Die Weinflaschen zertrümmerten an dem Kopf der Verkäuferin.
Blut und Wein vermischten sich in der Luft und fielen wie kleine, rote Regentropfen, recht zäh überall auf die Flächen um die Verkäuferin und Heiner. Auch andere, zufällige Einkäufer und ihr Mitarbeiter bekamen ein paar Tropfen ab.

Dann war das Dilirum weg. Heiner stand da. Zwei Flaschenhälse in den Händen. Blut. Und ein kaputter Kopf. Man sollte etwas zu tun haben schoss es ihm erneut durch den Kopf. Er schaute an sich herunter und erblickte eine wahnsinns Schweinerei.

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