Denn um sie kümmert sich keiner. Verloren sein ist out und unsexy. Suchen und nicht finden ist scheiße, wo sind deine Visionen geblieben? Du willst nicht dran glauben, dass dein Arsch trotzdem sexy ist, obwohl da Cellulite dran ist? Herrgott nochmal, wieso hast du keine richtigen Probleme? So was wie: meine Oma ist tot krank und sie hat mich doch großgezogen und geliebt, nie verkehrt angefasst und mich nie gestreichelt wo ich es nicht wollte. Ich muss bei meiner Oma nichts verdrängen wie bei Papi. Der mich immer gestreichelt hat, mir zu nahe kam, gesagt hat was ich denn für ein hübsches Kind bin und dann meinen Po streichelte. Mir über meinen Bauch gefasst hat und gesagt was ich für einen weichen kleinen Körper hätte.

Nein, darum kümmert sich keiner. Selbstmitleid ist unsexy. Wir haben Kaufkraft, Willensstärke, Psychotherapeuten aber bitte- bitte nicht noch eine irgendwas mit „persönlichkeits“ Krise. Wer soll den Schrott bezahlen? Money, alter, denk doch mal mit.

Dein Herz wurde gebrochen. Ach, du armes Würstchen, willkommen im Club. Mach die Präsentation fertig, zwei Stunden, und was ist mit den Kopien? Ich hab doch gesagt nicht doppelseitig.

Und da stehen sie, nachts, halb zwölf, gucken ihrem eigenen Atem zu-es ist Herbst und kalt geworden. Da drüben im Haus brennen Kerzen, viel Fernsehflackern in anderen Fenstern, und von da vorne schallt Lachen durch die Häuserwände. Die Häuserschluchten. Die Betonbunker. Das gestapelte Sein. Denn du musst sein. Aber du guckst deinem Atem zu, hast so viel gelesen, so viel gehört, und verstehst noch immer nichts. Weißt, dieses warme Gefühl was da war, das hast du dir wahrscheinlich nur eingebildet. Aber die paar Wochen Einbildung stehen gegen die ganzen Dekaden verwichste Realität. Du hast viel viel viel trainiert, und ach- was siehst du doch gut aus. Alles nichts wert denkst du, kramst in deiner verbeulten Hosentasche nach eine Zigarette, guckst zum Himmel, hörst die Stimmen und zündest dir eine an. Keiner der das sehen will. Keiner der das sehen soll. Alleine. Du. Auf dem Balkon. Da oben.

Da war so viel und an die Träume zu glauben ist so unglaublich schwer. Aber du machst weiter, denkst du in dieser Nacht, beim nächsten Mal wird es …

Denn es trifft so viele. Und es kümmert trotzdem keinen.

Denn wenn man wieder lacht, und jemand neben einem auf dem Balkon steht, auch wenn er einen gar nicht versteht, aber dich nicht alleine da stehen lässt, wie all die Abende zuvor, lächelst du. Und denkst irgendwo, dass kanns doch nicht gewesen sein.

Der grobe Sex, ist irgendwie nur Sex. Und jetzt? Du machst immer so ein komisches Gesicht dabei. und du schmeckst so komisch und riechst auch komisch. Und da sind sie wieder. Die Gedanken nachts auf dem Balkon.

Und die Seelen. Nach den keiner schaut.

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