Auf das wir drüber wegkommen. Wie immer. Wie ständig.

Gehen an Orte, die wir kennen, die uns nicht durch Neuheiten schocken. Die uns „Erden“, zurück auf den Boden holen, hören Lieder, die „unsere“ sind, uns Ruhe geben, denn der nächste Sturm, das wissen wir genau, ist schon um die Ecke und wartet nur darauf uns nach dem bitterschweren Aufrappeln in die Knie zu zwingen. Dass wir erneut und immer wieder einsehen, dass das was war eben doch nur „war“ aber nicht mehr „ist“.

Nur um zu begreifen dass sich auch dort alles ändert. Denn wir tragen alles mit uns mit, in uns, jederzeit. Bilder, die uns durch den Kopf schießen, die uns nachts kalten Schweiß auf den Rücken werfen, machen auch vor den Konstanten keinen Halt. Sie sind da und unerbittlich, beißen sich mit ihren scharfen Zähnen durch das Unterbewusstsein und wehren sich so gut sie nur können gegen das Vergessen.

Dabei ist alles nicht so schlimm. In dreißig Jahren sind wir alle alt genug um darüber nachzudenken, was hätte besser laufen können. Dann gibt es keinen davonlaufen-Bonus mehr, wir werden begreifen müssen, dass die Zeit auch vor uns keinen Halt macht. Sehen, dass die schlaflosen Nächte ihren Tribut zollen, aber auch ihr Gutes haben. Sie werden uns dann in Ruhe schlafen lassen.

Doch heute spielt das alles noch keine Rolle. Wer ist schon in dreißig Jahren wenn das Morgen so schwer ist wie ein Bulldozer?
Wir stellen uns laufend die gleichen Fragen, wundern uns darüber, warum wir beim Sex nicht mehr Verlangen haben als vor drei Jahren und fragen uns gelegentlich in den ruhigen Phasen, die widerlich schal schmecken wie olle Früchte, ob das alles gewesen sein soll. Und was das soll. Warum es so ein soll und ob alles so sein soll.

Wir wissen wie es sich anfühlen soll. Das wissen wir. Wissen, was wir gerne hätten. Doch da kamen andere, die sagten, dass wir das nicht haben könnten. Die hatten es. Und meinten, sie seien die Einzigen denen es zustände. Und machten es einfach. Und wir wunderten uns. Und dachten: okay, da sie es immer machen, müssen sie sich damit auskennen. Anstatt zu rebellieren und ihnen die Nase zu brechen, wie man es machen sollte. Denn mit einer gebrochenen Nase machen sich auch die einfachen Dinge im Leben ein kleines bisschen schwerer.

Und erneut stehen wir da und sammeln unseren Mut mit dem Wissen, dass es nur dann Wahrheit werden kann und unser Leben, wenn wir es denn Leben. Das wird mit Sicherheit nicht einfach, aber garantiert spannend. Wir können dann saufen und ficken. Denn darum geht es doch hier, oder nicht? Können machen was wir sollen, nachdem wir 9 Stunden am Tag das gemacht haben, was alle von uns erwarten. Denn Spiele spielen in diesem ollen und überbewerteten Theater- weiß Gott, das haben wir bitter gelernt.

Auf das wir über die Kindheit hinwegkommen. Uns nichts mehr sagen lassen. Und Gelassenheit zu unserem einzigen Wegbegleiter wird. Denn die fünf Jahre längeres Leben in einem Dasein völligem Verzichts- das mag euer Weg sein, aber sicher nicht der meine. Also lasst mich mit eurem Gerede in Ruhe. Esst nur Möhren und vögelt nur mit Gummi. Aber haltet mir nicht vor, es sei der „richtige“ Weg, nur weil ihr ständig Bestätigung braucht, es gäbe ein richtig oder falsch.

Wir müssen selbst glücklich werden und das ist schwer genug.

Weinende Augen die es auch so meinen wenn man geht sind das, was unser Herz am Leben hält, denn wir wissen dass es Dinge und Menschen gibt, die nicht egal sind. Dass die Welt eben klein ist, und wir nicht in Harlem geboren wurden. Was alles nicht unbedingt einfacher, aber eben anders schwer macht. Lasst uns mit euren Hasstriaden in Ruhe. Wir haben unsere eigenen. Müssen selbst unseren kleinen Feinden die Nase brechen, wenn wir versuchen mit den paar Talern die wir uns verdient haben über Wasser zu halten.

Alle lügen. Dass macht das Programm hier nicht einfacher. Vertrauen wird gebrochen als härteste Lektion im Leben. Aber auch dort- wir werden es überleben. Ihr seid gerade nur klüger, weil es euch nicht betrifft. Bis es auch euch erwischt. Und ihr merkt: es ist euch eben doch nicht egal. Und ihr hättet gern ein warmes Brötchen zum Frühstück, nachdem ihr gestern in der kleinen Vorstadt die kleinen Drogen an noch kleinere Menschen verkauft habt. Nur wer verkauft hier eigentlich wen?

 

Wenn ihr es besser wisst, behaltet es für euch. Denn wir versuchen nur glücklich zu werden. Und es zu bleiben. Denn irgendwann sind die Orte, die so immer sind und waren, nicht mehr die alten. Sondern die neuen. Und wir wie immer nur welche von vielen.

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