Und so sitzt du jetzt da, hast aufgehört immer nachzufragen, denn du hast dich irgendwie längst an alles gewöhnt. Fragen sind nur noch lästig, die Antworten ändern sich sowie nurnoch, ständig, immer wieder, und nochmal, bis du es aufgegeben hast. Einfach mal Stumpfsinn. Nicht weil das dein Ziel ist, sondern die einzige Lösung um irgendwas zu fühlen ohne dich nur noch zu wundern.

Du wirst früher müde, bist so vieles Leid geworden über all die Zeit. Um dich rum hat man dir so oft gezeigt, dass Lachen nicht angebracht, Witze deplatziert, Humor karg und eine weitere Meinung nicht erwünscht sind. Schon wieder? Oh nein, bitte nicht.
Da gab es die halbgare Liebe. Immer irgendwie dreiviertel, sogar einmal 80%, aber irgendwie sind die Lücken nicht verschwunden. Sie waren nur immer anders groß, mehr verteilt, anders schmerzend oder diesmal sauer und nicht salzig. Aber sie waren da. Und ließen sich einfach nicht wegreden. Und du hast so viel versucht. Bestimmend. Bettelnd. Verständnisvoll. Zuhörend. Schweigend. Rauchend. Trinkend. Durch Abwesenheit. Lügend. Offen. Aber es hat einfach nie, niemals geklappt. Dafür warst du immer zu unwichtig. So dachtest du. Dabei, und das hast du immer wieder vergessen, ist nichts wichtiger und eigentlich- wenn mans genau nimmt- ebensowenig wichtig. Das tut weh, aber es war immer so. Da sehnst du dich, schon wieder, während die 3/4 auf 1/2 sanken, auf irgendwie 100% oder endlich finale 0%. Denn dann hast du weder Salz noch Essig, kannst in Ruhe leiden und musst es nicht mehr verstecken. Oder du lernst langsam diese Dämonen in deinem Magen zum Schweigen zu bringen, den Kloß in deinem Hals und die vielen Fragen in deinem Kopf zu erdrosseln und einfach einen Sonnenuntergang als das anzusehen, was er schlussendlich ist, schon immer war: schön. Ohne dass deine Augen feucht, oder dein Herz wundernd ist. Wieder. Und die inzwischen 40% drinnen vor dem Fernsehr nur an ihr Bier, das billige und pointenfreie Programm und die bestellte Pizza denken._MG_8434-modc

Bedeutungsschwanger sitzen wir dann wieder am nächsten Morgen in der Bahn und kennen- wie immer- die Gesichter, aber keine Geschichten. Das würde zu lange dauern und würde auf Dauer sowas wie persönlich werden. Das halten wir alle nicht aus. Denn wir haben doch sowieso unendlich Zeit. Und die alten- wie immer anderen- Gesichter: so sehen wir doch nicht aus!
Tun so, als würde alles ewig dauern. Und warten trotzdem, dass alles schnell vorbei geht. Denn es dauert jetzt schon so lange. Dann wird es doch, so wissen wir doch alle, und das wurde uns immer wieder, und wieder gesagt (Halte durch mein Schatz!) besser. Und so warten wir auf das besser ohne zu gucken- was ist gut. Und warum sollte uns so vieles egal sein, und anderes eben nicht. So vieles anderes eben nicht.

Knirschen des frischen Schnees unter unseren Schuhen. Duft von Schnee. Duft von Kaffee. Ein frischer Pfannkuchen. Eine vertraute, liebevolle Stimme- sie hat uns noch nie enttäuscht. Wir sind gesund verdammt. Die letzte Nacht, die so unendlich anders war- der gute Sex, die exorbitanten Küsse und alles, was da nicht dazu gehörte und sich trotzdem gut anfühlte.

Nein, das sollen wir nicht. Unser Leben gehört nicht uns. Nein? Wem denn dann bittesehr? Deine Meinung ist falsch. Achso, ich habe aber nur mich, und so ist es eben, wenn man immer wieder alleine ist und immer nur wartet, bis einer kommt der ehrlich fragt: warum eigentlich? Ohne auf dieses verfluchte Drittel verzichten zu müssen. Denn vielleicht bringst du irgendwann mal 50% mit, genau die 50%, die mir fehlen.

Das ist kitschig lacht ihr? Warum eigentlich. Seid ihr neidisch? Oder schon so kaputt und zynisch.

 

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