Und da rennst du, stürmst du, verfolgt von deinen inneren Stimmen deren Sprache du noch nicht einmal richtig verstehst. Du hechelst. Hältst kurz inne. Verlierst langsam die Orientierung- wohin nur.

Da waren die ersten Städte. Immer das Gefühl von- da kommt noch mehr, das ist nur der Anfang, das kann nicht alles sein. Hast gelebt, und sehr viel immer aufgeschoben- denn es wird noch kommen. Das große Gefühl. Die dich findenden Augen. Der Knall. Die weisen Worte. Die große Clique. Momentaufnahmen der Hoffnungsschimmer. Bist wieder gerannt. Immer vorwärts, dachtest du, guck mal da drüben, hast du geschaut. Nach links, nach rechts, ohne jemals richtig hin zu sehen. Hast gemerkt, dass man vieles erst erkennt, wenn man zu lange hingesehen hat- und es jetzt aber schon verschwunden ist.

Jetzt hältst du inne. Nicht weil du es so möchtest, sondern weil es eben so ist. Stadt-Städte. Wohnung-Wohnungen. Mensch-Menschen. Mehr und mehr. Gesehen. Hattest so oft Musik in den Ohren und Träume im Kopf. Denn es wird alles kommen. Du wirst bald ein Teil dessen sein.

Und jetzt sitzt du da- neue Stadt, neue Wohnung. Neues Zeugnis. Endlich. Nach all den Jahren. Und bist-alleine. Merkst, da wird nichts kommen es sei denn du holst es dir. Weißt nicht wo du suchen sollst. Fühlst dich voller Energie und mit einem Schlag ur-alt. Was hast du nur all die Zeit über getrieben. Von was hast du dich aufhalten lassen? Oder hast du diese Zeit gebraucht, ohne eigentlich zu wissen, dass du diese Zeit gebraucht hast?

Da ist er der Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. Da bist du die nicht weiß wie sich das Ticken der Uhr eigentlich anhört. Und wo das alles hinführen soll. Ein komisches Gefühl aus Freiheit und Beklommenheit macht sich in dir breit. Und du hast das Gefühl du weißt selbst nicht wer du bist.

Du fragst mich was ich dir rate. Ich gucke in mein Bier. Sage dir, du wirst hier in diesem Pub genau so eine Antwort finden wie ich dir eine aus meinem Glas Bier fischen kann.

Du bist schön-sage ich. Nein, ich will dich nicht anmachen, lass mich bitte ausreden. Du siehst also gut aus, setzte ich erneut an. Scheinst einigermaßen gescheid zu sein, wobei ich nicht weiß, ob das jetzt arg reflektierende Gedanken sind, die da aus deinem Kopf rausplumsen, oder blankes Selbstmitleid. Da ist die Grenze manchmal verschwindend gering. Denn Existenzängste lassen manchmal sogar den größten Deppen erstaunliche verbale Dinge zu Tage befördern.

Du hättest keine Existenzängste- nur eben niemand weiter. Ob ich nicht zuhöre.

Ich schaute dich an. Sagte mit all den Zeugnissen ließe sich doch sicherlich etwas zu Stande bringen. Irgend etwas Gutes.

Ich solle verstehen. Du wärest umgezogen. Wieder und wieder. Hättest auch Beziehungen gehabt, kleinere Geschichten, aber sie hätten alle nie gereicht. Immer hättest du gedacht- da kommt noch etwas. Jetzt wüsstest du selbst nicht mehr, wie auch nur die Umrisse dieses Etwas auszusehen hätten.

Erwachsen werden und Erkennen sei eben scheiße- sagte ich, wissend, dass dir das auch nicht weiterhelfen würde.

Sich selbst zu verlieren. Was soll man dazu sagen. Dein suchender Blick verfolgt mich noch heute. Das Feuer in deinen Augen, in jeder deiner Bewegungen. Als wüsstest du genau, wie du welchen Muskel bewegen müsstest um absolut du zu sein. Mit jeder Handbewegung.
An diesem Abend habe ich mich in dich verliebt.

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