Langsam öffnest du die Tür. Eine alt, alt bekannte Bewegung. Diesmal machst du sie nur eben- mit Bedacht.
Der Schrank ist noch immer halb gefüllt.
Ein kleiner Stapel, Fach für Fach, gefüllt mit Kleidungsstücken deines früheren Ich’s.

Das hättest selbst du nicht erwartet. Dass du jetzt dort stehst. Wie paralysiert. Wie angewurzelt. Wundernd, in Zeitlupe bewegend.
Deine Augen durchstöbern das Angebot der Klamotten.
Oben- Strümpfe. Boxershorts- früher sogar welche aus Satain. Was das soll, diese Stoffperversion. „Noch dazu sind die so lang wie dein kompletter hagerer Oberschenkel“ sagte deine Mutter immer. Das sind die Worte die dir hängen geblieben sind. Im Gedächtnis. Nicht an deinen Satainschlüpfern.
Ihr Gummizug knackt als du eine herausziehst in ihrem blauton- schimmernd. Ein wenig mehr Kraft, und der Zug wird zerbröseln, so porös hat ihn die Zeit gemacht. Porös wie deine kleinen Gedanken, die dort herumspuken in deinem Kopf. Ganz für sich allein. Wer will denn ernsthaft wissen, was dort oben in deinem Kopf los ist? Hatte Roxette nicht auch eine solche Songzeile? Deine Gedanken, so wenige es auch sein mögen, überschlagen sich, stolpern, kommen ins wanken, suchen nach Halt. Vergeblich; Sie fallen, brechen sie Nase und stauchen sich die Hüfte. Liegen dort auf dem kalten Boden. Kein Passant in der Nähe. Nur die kalte Nachluft die deinen Gedanken sagt, sie seien jetzt selber erwachsen. So sei es nunmal, wenn man groß wird. Da müsste man selbst zusehen wo man bleibt.

So gehst du die jämmerlichen drei Regalfächer durch. Ein Unterhemd. Ziehst es über. Betrachtest deine neue alte Erscheinung im Spiegel am Schrank. Satainboxershort. Bis zu den Knien. Unterhemd- zu klein. Eine alter Baggypants kommt dazu und ein blaues, zerknittertes Hemd in XL darüber. Du als knochiger Skaterboy hast diese Klamotten geliebt. Deine Mutter hat sie verflucht.
Nun stehst du da, betrachtest dich selbst, du kleiner Skaterboy. Schon so groß geworden ohne auf das Flüstern der Welt zu hören, dass die Gnade des Schicksals immer schwächer wird, um so älter du wirst. Und die Freunde weniger, nicht mehr werden. Da stehst du und guckst in dein unrasiertes Spiegelbild. Kein Anruf. Alle sind so furchtbar beschäftigt mit sich selbst, dass du viel zu viel Zeit für deine Vergangenheit aufbringen kannst.

Wer hätte das erwartet? Fragst du dich selbst. Und im Hintergrund singen Tegan und Sara „And I will not Will not Will not let you drink yourself alone„… wo ist er nur, dieser Freund? Wo sind sie alle geblieben.

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