Weils den Scheiß halt echt gibt, aber er sieht jedes Mal anders aus.
Da erwarten wir so Blitzlichtgewitter, tausend Neon-Regenbogen, dauer-LSD Trips und Sylvester forever. Und was kommt ist dann auch erst mal so heiß, dass wenn wirs gleich ganz trinken, wir unsere Innereien danach feierlich entsorgen können- kopfüber nennt man das. Dabei kannste drauf gehen, echt. Aber wenn man die ganze Kiste abkühlen lässt, dann überlebst du es -vielleicht- grade so mit nem blauen Auge, oder zweien, paar gestauchten Rippen, ner minimalen inneren Blutung, zwei fehlenden Fingern und deinem Glauben…aber der lässt sich wieder aufgabeln.

Und das ist es eben. Nichts bleibt stehen, wartet, blickt sich um, und denkt dann, wie in den bescheuerten Filmen oder Büchern- Heeeey, lass uns das Leben der Leben haben. Fuck, da gehn‘ sie dahin, machen gar nix, und verziehen sich in ihre Löcher, mit den „Neuen“ und ficken sich wund bis sie das nächste High haben. Nur um dann wieder irgendwann bei dir zu klingeln und mit wundem Genital sagen, scheiße, das Herz war bei dir irgendwie besser gepuffert. Und du stehst dann da, vielleicht auch wund, aber bist eben taub geworden und jagst sie dahin wo der Pfeffer wächst- nackt mit wundem…

Taugt ja doch nix. Da wird der große Canyon zur mini-Höhle, zu so was wie ’nem kleinen Berg und du kapierst nicht, in welcher verdammten Schlucht du dich eigentlich verlieren konntest. Das geht einfach nicht in deinen Schädel rein. Und weil’s vielleicht so unfassbar für’n Arsch ist, es aber irgendwie nichts geileres gibt, hören wir einfach nicht auf. Es ist zum kotzen. Und so abgefahren schön. Einfach so unfassbar schön. Überladen, undefinierbar, die beste Droge,  der absolute Trip, das wärmste Gefühl, die schönste Berührung, die schnellste und sicherste Abfahrt, die wildeste Tour, der emotionale Overkill. Nur die Schattenseite all dessen, ja, über die heulen wir dann. Niemand beschwert sich, wenn’s nach ’nem Kokstrip in der Birne knallt und man heulend, wie ein Stück Elend auf dem Boden rollt, aber nach dem Gefühl schlägt hin gucken wir wie ein Frosch aus ’nem Bullauge und wundern uns, was das eigentlich soll das ganze verschissene Wasser da vorm Fenster.

Und daher sitzt du dann auch nicht alleine da. Bist nicht der Gefühlskönig, die Gefühlsqueen, sondern einfach halt nur du, mit anderen um dich herum, und alle trinkt ihr euch den Scheiß weg und wollt den Kater… zumindest irgendwas, das man im Griff hat.

Und daher sind wir dann auch los, du bist einfach gekommen, deine Augen sahen weiß Gott wirklich übel aus, ’n bisschen gezittert hast du auch, aber gelacht und fiese Witze gerissen über irgend so eine andere dumme Kuh, die alles auf die Reihe bekommt und trotzdem so ziemlich das bemitleidenswerteste ist, was dir jemals vors Visier gekommen ist. Ich hab mich dann überreden lassen, nicht der Kuh wegen, sondern weil dein Gezitter‘ und deine Augen echt übel waren und ich dachte, danach bring ich dich dann zu mir und da ‚kannste dann pennen und meine Dusche funktioniert auch, zwar nur kaltes Wasser, aber sie geht.
Bei Bier, Gin und Bourbon haste mir dann wirklich wilde Geschichten erzählt, wie du dachtest dass alles mal weitergeht bis du gemerkt hast, dass der Mist nur in deinem Kopf existiert, alle weiche Eier bekommen, wenn’s dann echt um was geht, und schnell irgendwo ficken gehen, wo anders als eben bei dir, weil sie son‘ verdammten Schiss haben, dass es das dann gewesen sei. Dabei hast du immer nur vom Anfangen gesprochen, aber bei denen sei die Message so angekommen, als ‚wär dann einfach alles vorbei. Wie bei ’nem lauten Knall, erschrocken weglaufen.
Aber du bist wirklich eine der tapfersten Menschen die ich kenne, denn du gibst nicht auf und irgendwie bist du absolut nicht verbittert, was bei all dem Dreck, der dir passiert und den Deppen, die dir über den Weg laufen, echt verwunderlich ist. Du findest es halt schade, dass du, so hast du das Gefühl, eben nicht ‚ausreichend‘ wärst für die Mistkerle. Sonst hätten die ja keinen Schiss und würden abhauen und weitervöglen. Dann würden die sich doch freuen und mitmachen, bei dem Leben. Oder eben mit Pläne machen. Aber alles was mit Plänen zu tun hat, macht denen die du bisher kanntest ne scheiß Angst. Und das macht dir ne scheiß Angst. Weil du nicht weiß, obs dann bald zu spät ist, oder warum nur dir diese holen Deppen zulaufen. Und warum du es nie erkennst, und da immer so unfassbar viel Zeit ins Land gehen muss, ehe es bei denen oder dir ‚Klick‘ macht.

Trotzdem bist du wirklich irrsinnig toll. Echt. Und bist freundlich zu den verschissenen Schwanzträgern und ihren Testesteronproblemen. Nicht immer nett, aber respektvoll. Du bist eben das, was ich „zu nett für diese Welt“ nenne.
Wir sind dann weiter gezogen und an irgendnem Automaten mit fiesem Kreisverkehr hast du dann ein paar Monetos holen müssen, wir waren definitiv gut dabei, und ich konnte dir auch schon den ein oder anderen Grinser entlocken.

Kerle haben dich angemacht, drei Stück auf einmal. Und ich mich dann dazwischen gehängt und gefragt, warum sie mich nicht anmachen. Zu hässlich, meinte der Kerl mit der Sturmmähne, blond und nach hinten geföhnt. Das hab ich nicht gecheckt, und meinte, wir können noch mehr trinken gehen, vielleicht werde ich dann hübscher für ihn. Du bist dann versuchter Weise dazwischen, obwohl ich ja dazwischen gehen wollte, ursprünglich. Seine Freunde waren offensichtlich auch der Ansicht, dass du zu hübsch für mich wärst. Ich meinte, das sei nicht nur aus Hetenmündern inakzeptabel, da sie nicht klar sehen können, sondern auch bescheuert, denn sie fänden ja dich sexy, nicht mich. Dann haben sie mich verprügelt, das ging alles recht schnell und hinterließ nur faden Geschmack im Mund und Schmerzen in Bauchraum und Kopf.

Danach rannten die feigen Schweine weg. Wir betranken uns dann noch weiter in so ’nem Schuppen, der Bänke draußen hatte stehen lassen, und setzten uns zwischen ein paar Pärchen die wirres Zeug von Freunden und deren Autos erzählten. Jetzt sahen unsere Augen zumindest gleich scheiße aus- nur warst du hübsch und ich so was wie der Penner an deiner Seite. Das störte dich aber nicht weiter.

Du hast mir dann die Geschichte nochmal, und nochmal erzählt von diesem Stück männliche Kanacke, die eben all deine Gefühle bekommen hatte.

Ich war brav und hab zugehört. Er scheint wirklich ein feiner Kerl zu sein, dachte ich dann, bis auf das Problem, dass er n dummes Stück Scheiße ist. Macht was er will, Versprechen gibt, die er nicht hält und ich heute hier mit dir sitze, nicht dieser Wichser von feinem Kerl. Genau so ’ne feige Sau wie die drei Schläger. Er hat nichts von dir, deinen Gefühlen, deiner Zuneigung oder deiner Gunst verdient. Aber all die Worte bringen ja nichts, wenn dein Herz schon auf Wanderschaft ist. Er hätte dich verstanden, in dich reingucken können, gewusst, wer du bist, konnte zuhören und war halt n guter Kerl. Fuck, denke ich bei mir, das wird noch ne längere Durststrecke für dein armes Herz.

Als wir dann ausreichend blau waren, sind wir zu mir gefahren, du hast meine Dusche benutzt und ich wollte an alte Zeiten erinnern, du und ich, aber dann bin ich doch erst wieder am nächsten Mittag wach geworden.

Gebracht hat’s wohl alles nix. So wie irgendwie immer. Wir machen eben das Beste draus. Und wenn’s nicht aufgeht, die Rechnung, dann veruschen wir’s eben so gut wie’s geht.

 

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