Mit der Pose der Götter, Hände in den Hosentaschen der Jeans, stehst du da, angelehnt an eine Wand, das rechte Bein angewinkelt und die Lederjacke an dir wie ein Stück leicht abgelöste Haut herabbaumelnt.
Tausende Gedanken, mal wieder.
Jeder wurde wahrscheinlich bereits einmal gründlich von jedem Vollidioten durchdacht, verworfen und dann blutend, bleich und stickig auf der Straße des Lebens zurückgelassen. Verdammte Gedankenkadaver.
Ein Gestrüpp aus tausenden Gedanken holt dich ein, belagern dein viel zu kleines Hirn, vor allem dann, wenn ein weiterer Rausch vorbei geht. Ein weiteres Zusammensein, endlich-losgelöst, sei Langem mal wieder so richtig gelacht, du bist doch ein positives Kind, alle haben dich geliebt und keiner kann dir was vormachen. Was hast du gelacht. Jetzt stehst du da, lehnst dich nach hinten, die Häuserwand ist schön kalt und willst, dass sie aufhören. Diese Gedanken.

Du warst doch so fleißig. Gesprudelt vor Lebendigkeit, immer ein As im Ärmel verdammte Scheiße nochmal, warst schnell, gut, und sie haben dir hinterher geguckt. Die, die du toll fandest haben dir hinter her geguckt. Und jetzt lehnst du hier, wahrscheinlich stinkst du nach Kippen und Alkohol und bist mehr Leiche als geil.

Der Lebensplan war so unfassbar sexy, ehrlich. Vollgepackt mit diesen abgedroschenen Träumen von ‚glaube an dich selbst, und du schaffst was du willst‘ bis hin zu ‚aller gottverdammter Anfang ist schwer‘.
Kein Schwein hat dir von dem Kater am Morgen erzählt. Von Häuserwänden und nutzlosen Nächten. Niemand. Nicht mal angerissen. Sie haben sich selbst verkauft. Immer wieder. Egal wie beschissen nichtig alle waren. Verkauft, erzählt, verkauft, laber, blah blah, ich ich ich, dir einen ‚an die Stirn gelabert‘ und gelacht. Hatten einen widerwärtigen weißen Punkt auf ihrer Unterlippe, der bei jedem neuen Wort wie ein kleines Speichelseil an der obrigen klebte. Du hast mit der Zeit nur noch diesen Faden betrachtet und immer weniger auf das Gerede gehört. ‚Wieso ist da dieser ekelerregende Speichelfaden‘ war nach kurzer Zeit alles was dir im Kopf rumspukte.

Du fragst dich inzwischen, jetzt, wo ein paar deiner Träume ein wenig Licht sehen, was das verdammte Theater eigentlich soll. Das nichtaufgebenwollen, nichtgönnenkönnen, die Spasten da draußen die es nicht besser wissen, aber jeder hört auf sie, als Gäbe es Weisheit tatsächlich ohne Fehler auf dem Silbertablett zu erlernen.

Phrasen die beginnen mit ‚jeder‘ treiben dir den Brechreiz in die Kehle, deine Augen fallen dir wie die Haare vom Kopf, du wirst asexuell und kannst gar nicht so viel Fressen wie du… du und deine verdammten Luxusprobleme.

 

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Sie erzählen dir von der großen, ach so weiten Welt. Und du kannst dir nicht mal einen verschissenen Kinobesuch leisten, weil du an dich, du jämmerliches Ding, geglaubt hast. Da bist du die Queen auf der Bar der Retrospektive, alle Gesichter hören dir zu, oder gucken sie dich nur an, weil du als Erscheinung da oben auf dem Tempel des Suffs stehst und predigst? Hast dich vom Hocker erhoben, in die Pfütze des Weizenschaums gestellst, und fragst, fragst wie es mal war, was das hier soll, wie es weitergeht und wer es so gewollt hat. Wieso gibt es Orte wie diese, Orte des Vergessens, über die Passanten naserümpfend vorbei laufen und sich partout für was Besseres halten, und die, die drin sitzten, auch, aber erst nach dem siebten Glas.

Und dann erzählen sie von ihrer Reise. Und du sitzt da, mit deinen Büchern und deinen Platten, willst einfach nicht aufwachen oder verstehen, was das soll. Erzählen, nachdem sie so lange über all das hier gelästert haben. Auch über dich.
Und stellen alles in Frage. Das ist gut, denkst du dir, mach nur, weiter so. Du Armleuchter. Hörst zu, verstehst, du hast ja auch einen Fernseher. Verstehst aber langsam, wieso sich so viele so gottverdammtnochmal leid tun. Wenn dann wieder jemand kommt, und erzählt. Lange Sätze vom Erkennen und Verstehen, vom weit weg und frei sein. Und du lächelst, wenn eine Anekdote vorwurfsfrei im Raum steht. Und träumst mit, mit den Geschichten von weit weg und willst mehr davon. Und erinnerst dich an deine erste Platte, das totale Klischee, denkst daran wie sich dich eingesogen hat und Welten gezeigt, an die du den Rest deines Lebens glauben solltest. Da sitzen sie und erzählen von Stränden, von Menschen mit Haut aus Leder, Elefanten und Leoparden, Städten die nach Gewürzen riechen, in jeder Straße und andere, die auf den Straßen leben, ohne einen Stempel der Obdachlosigkeit zu tragen. Von Feldern und Wiesen, auf denen die Grillen so laut zirpen, dass du fast einen Tinnitus davon bekommst. Erzählen dir von der hundertsten großen Liebe, Sex am Strand, einer neuen Droge und Erwachen im Niemandsland. Von Surfenlernen und Wellenreiten, von Gedichteschreiben und Kochenlernen. Von Wandern mit Blasen unter den Füßen über Berge ohne Bäume, nur aus Stein und auf dem Gipfel eis kalt bedeckt mit Schnee. Erzählen und erzählen.
Und dann stehen sie auf, lassen dich bezahlen, ihre Reise geht noch weiter, und fragen dich, warum du eigentlich immer noch hier lebst und was du eigentlich gerade so machst. Und wundern sich, wenn du dann an so einer verdammten Wand stehst und dir nur denkst ‚Frühling, geh nicht weg. Und was soll das eigentlich‘.

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