Und jeden Morgen ist ein neuer Morgen.
Du drehst dich nach rechts, riechst fremden, oder eben noch fremden, Schweiß, blinzelst verwirrt, die Orientierung hält sich noch zurück und denkst dir nur- verdammt.

Durch den Spalt der Schlafzimmertür kannst du etwas auf den Flur schauen und siehst einen Blondschopf dort stehen, Locken, vor der Tür nichts als dunkle Wolken. Er ist in deinen Bademantel, weiß, gehüllt, den er aber nicht zugeknotet hat. Er steht an den Türrahmen gelehnt und hält geschmeidig eine Kippe in seiner Rechten, puhlt sich zur selben Zeit an seiner Unterlippe herum, verschlafen und verträumt. Wer ist er nur? fragst du dich, hustest, drehst dich auf die andere Seite um, ziehst die Decke über den Kopf und willst nicht nachdenken.

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Die Jahre gleiten wie eingeölt an dir vorbei, der Sex ist so anders nach der 60ten Figur auch nicht. Vertrautheit hat sich leider in Zweiergespannen bei dir als dummer und dreister Lügner heraus gestellt, weswegen du inzwischen einen großen Bogen darum machst. Kurz und knackig, gerne hart, noch lieber versaut, und dann… aufwachen. Umgucken. Sich wundern. Tief atmen und versuchen man selbst zu bleiben. Routine im rumficken. Was ist nur passiert. Wenn man sich’s nicht mal mehr mit schön-machen, Schönmachen kann…

Das Programm funktioniert, der Wald ist riesig und an vielen Bäumen können noch sehr viele Äste abgesägt werden.
Da steht der Blondschopf und du hast nichts, so wirklich gar nichts zu sagen. Warum konnte der Wichser nicht einfach verschwinden? denkst du dir weiter. Erzwungene Gespräche folgen, inhaltslos, irgendwie erschöpfend. Wenn du schon leer sein musst, oder vielleicht willst, dann bitte alleine. Doppelte Leere füllen ist scheiße und funktioniert sowieso nicht.

Er sieht gar nicht so schlecht aus. Etwas mager, denkst du, aber man sieht zumindest seine nicht-trainierten Muskeln. Ob dir sein Körper jetzt noch gefällt zweifelst du nach dem ersten morgendlichen Mustern gleich wieder an- ein Mann müsste mal her, einer ohne blank rasierten, hageren Body, ein Mann mit Körper, Fleisch, einem festen Charakter und einer eigenen Meinung.

Und rauchen muss er auch nicht unbedingt. So ein bisschen Vernunft wär doch mal ein guter Anfang. Aber davon muss ja der Blondschopf nichts wissen.

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