So kalt hier draußen im Steinland. Nicht einmal die Wiese schafft es zu lachen. Faulende Unterkiefer brechen zart von ihren Wirten ab, hängen an Hautresten, baumelnd, zäher Speichel sucht sich den Weg nach unten. Faule Leiber, in TShirts mit Schweißflecken, der sauer beißende Gestank einer Kotzlache nimmt das bisschen Platz was noch geblieben ist ein.

Durch, nur durch da, weiter, nicht stehen bleiben, das feuchte Shirt beginnt am Körper zu kratzen, nicht jucken, weiter.
An den Erhebungen am Rand der Straße liegen Tote, hie und da nur ein Stückchen von ihnen, ein Arm, ein Beim, ein kleiner Fuß, all das, rings umher.

Fast schüchtern beleuchtet das kalte Gelb das Szenario aus Kalt, Weg, Einsam und Dreck.
Die Haut brennt, alles klebt, die Knöchel schmerzen, Gliedmaßen können ja so unendlich schwer sein.

Sie ist so zärtlich. Das passt gar nicht hier rein. Blut schießt in den Kopf. Zärtlich fährt sie über die Handoberfläche, lässt ihre gepflegten Finger über die prallen Aderwürmer gleiten. Wärme auf der Haut. So lange her dass da jemand angefasst hat. Das Herz rast, zwischen den Beinen ein schönes Gefühl. Ein schönes Gefühl, hier in der Steinwelt. Es riecht muffig, die Sitze sind alt, so alt, aber sie ist zärtlich, unglaublich. Es kribbelt, ihr falsches Lachen lässt Lügen glauben, das Haar duftet so schön. Und sie ist so zärtlich. Fasst an, mehr und bestimmt zurückhaltend, aber wissend und wunderbar. Sie kann das so gut. Hat einen leicht schalen Atem. Aber ist so zärtlich. Ihre weiche Zunge, der warme Atem in dem Mund, weiche Lippen, diese Lippen.
Das Herz rastet aus, die Zunge wird verwöhnt. Sie ist so zärtlich, hier im Schein des blass gelben Lichts.

Somewhere in My Surreal Dreams1657490

Laufend, weiter und weiter, flitzen Lichtkegelpaare an euch desinteressiert vorbei. Husch. Husch husch.

Er ist so schüchtern. Lange keine kräftige Hand mehr gestreichelt. Rau ist sie, ein paar Haare. Gefällt ihm was ich mache? Er hat so raue Hände, ist so unbeholfen, wird wohl nicht so oft angefasst. Ob er gut küssen kann? Eigentlich ist das so gar nicht meine Art.

Im Slum des Lebens. Hier draußen. Und dann das.

Ein Auto parkt. Nebenan. Menschen ohne Frisur und mit weiten Shirts laufen hinzu. Keine Miene verzieht sich. Krähenfüße kennt man nur aus der Werbung.

Später werden sie wieder sagen: wir waren gut zusammen, so gut zusammen. Du und ich. Oder ich und du. Ein T-EA-M, so ein richtiges.
Die Menschen ohne Frisur kommen nicht, um hallo zu sagen. Ein Mensch davon ist recht ansehnlich, aber nicht auf Schmeicheleien aus, das sieht man, das sagt sein Auge, das spricht sein Körper, das brüllt seine Faust. Schade. Wir waren so gut zusammen.
Lichtkegel peitschen vorbei. Es ist warm. Der Überzug des Sitzes kratzig. Das Streicheln hat sich gelegt, eine Hand auf einer anderen. Die kurze Wärmepause tat gut.

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