Ein Streitgespräch. Davor kurze Einblicke.

Ein wirrer Gedanke Dieses Wandeln in diesen diesen scheiß Schuhen, andauernd ein Stein, irgend ein verdammter Kiesel, der mal wieder, genau jetzt, wo du losrennen musst, nervt, durch ein anderes Loch rein gekrochen kam. Und dann reibt er, und du keuchst, da oben, dein Kopf, am anderen Ende, und er denkt nur an diesen Kiesel, am anderen Ende, dieses mickrige, kleine, gewiefte Stück Arschloch, und die verdammten kaputten Schuhe und nicht etwa den Weg, diesen Weg, diesen Weg mit bergauf und -ab, vor allem aber: es wird noch regnen, und der Kiesel, er wird dann immer noch da sein, genau wie das Loch.

Ein wirrer Traum Dieses Wandeln und deine Ausdauer, sie kommt, sie geht, egal wie viel Training du da rein steckst, in das Rennen, das Herauf, den Kampf, als ob sich dein Körper und dein Verstand einen Witz daraus machen, aus dem, was du Training nennst. Lachen sich kaputt, am Wegesrand, denn um so mehr Kondition du zu bekommen scheinst, desto länger wird die Wegstrecke. Und da stehen sie, die zwei, mit all ihren Freunden, und lachen sich Schenkelklopfend mit tränenden Augen kaputt, können gar nicht so schnell und viel einatmen wie sie bräuchten. Lungen kurz vor dem kollabieren, nur weil sie sich tot feiern.

„Doch du hast es versprochen. Und du wirst es machen. Weil man nichts verspricht, was man nicht halten kann. Deshalb rennst du. Und gibst nicht auf, bevor es vorbei ist. „Es ist erst vorbei, wenn’s vorbei ist.“ meinte mal der Ex meiner Mutter, dieser versoffene Scheißkerl, aber er hatte Recht. Er heult immer noch rum, denn es hört nicht auf. Und wenn es einer wissen muss, wie Scheiße schmeckt, dann er. “ sagst du dann irgendwann zuversichtlich.

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„Heldentaten für alle die, die nie Helden waren, hm?“ frage ich dann stutzig nach.
„Dein Arsch für Heldentaten, kein Mensch brauch Heldentaten du dummer Vollidiot. Die brauchen Liebe. Sonst nix. Und selbst mit der sind die maßlos überfordert, bekommen weiche Knie und hauen lieber ab, anstatt sich dem einzig richtigem, wichtigen Kampf zu stellen.“
„Du kannst aber auch theatralisch sein, meine Güte. Wer hat dich verletzt das du so Jähzornig bist?“
„Diese verschissene Frage nach dem viel verschisseneren Jähzorn. Ich rede von Helden und Liebe und du fragst irgend so einen Mist von wegen Jäh und Zorn. Weißt du was? Das ist das dumme Problem. Da isses schon einfach. Und anstatt es einfach zu lassen, wird in irgendwelchen Wunden gebohrt und nachgehakt, weil dann alle denken, Mensch, dann können wir uns noch mehr lieben. Was für eine Rühreikacke, echt. Man, das hat mal jemandem weh getan, ist doch gut dann, oder? Dieses dumme Rumgestocher, wie wärs, einfach mal den Mensch, den du liebst, Mensch sein zu lassen? Als ob’s so was wie perfekt gäbe. Oder so was wie eine wahre Liebe. Wer legt so einen stumpfen Mist fest? Wir lieben total viele Menschen. Nur den Einen, den einen Einzigen, den musst du eben anders als alle anderen Lieben. Und dann kommt dir so ein scheiß Gedanke wie „wer hat dir mal weh getan“ oder so gar nicht. Dann bist du da. Und der andere Mensch. Und dann ist es perfekt so. Komme was wolle. Und wenn er dann erzählt hör einfach zu. Und halt deine theatralische Klappe und frag nicht nach ’nem Kampf oder mach den anderen zu nem Märtyrer oder so ein Mist.“
„Das war jetzt mal ein standhafter Monolog. Warst du mal Priester, Pfarrer, irgend sower?“
„Wieso, warst du mal gläubig?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Na, was. Warst du’s, oder nicht? Man kann nicht „eigentlich“ glauben. Du kannst auch nicht „fast“ sterben. Entweder du bist tot, oder du bist es nicht.“

„Ja, ich hab mal geglaubt.“
„Und an was?“
„Na, an Gott halt.“
„Und wer war dein Gott?“
„Der gleiche, den auch alle anderen hatten.“
„Eben nicht, du Weichbirne. Du hast ja schon damals nichts geschnallt, wie?“
„Wer war denn dein Gott, du Klugscheisser?“
„Die Liebe.“
„Alter, du nervst mit deiner Liebe. Wir reden von Gott und du beginnst was von Liebe zu labern. Dabei hat das Gespräch so scheiße nicht angefangen.“
„Und das ist das Problem, mit der Liebe, dem Gott und all diesen bohrenden Fragen.“
„Verstehe ich nicht, was ist jetzt das Problem?“
„Das keiner irgendwas annimmt, einfach so, wenn es gut ist, auf diesem Level, ohne es kaputt zu hinterfragen.“
„So wissenschaftlich veranlagt bist du ja auch nicht wirklich, oder? Also doch Pfarrer? Priester?“

Er stand auf, guckte mich schief an, und ging. Einfach so. Er ist einfach gegangen und hat mich in dieser Spelunke sitzen gelassen. Einfach so. Ohne zu antworten.

 

 

 

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