Sie ist so schrecklich bedrückt. Herrie. Könnte ihr doch nur jemand helfen, denkt sie sich, warum hilft mir denn keiner. Ich arme ich, denkt sie sich, wieder und wieder, innerlich weint sie, nein, sie heult, Bedrückung bezeichnet nicht mal im best gemeinten Ansatz die Katastrophe, die in ihr ihr Gedärm zerreißt, ihr Herz verschlägt, alle Käfigtüren des Magenzirkus aufgelassen hat, ihren Adamsapfel zerlegt, platzen lässt.
Sie ist fix und fertig. Wie konnte das alles nur so weit, denkt sie sich, nicht mal zum Ende, weil alles am Ende zu Ende und das sollte doch so gar nicht.
Das schöne Fenster zur Stadt zeigt schweigende Dächer, ruhende Türmchen, wankende Baumwipfel, fallende bunte Blätter, lässt das Geräusch bellender Hunde und schreiender Kinder herauf schallen. Sie tut sich so leid. So sehr. Ich arme ich, denkt sie sich, erneut und schon wieder.

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Sie bohrt sich in der Nase, steckt sich den Popel in den Mund und fängt eine herabfallende Träne auf.
Würde sie doch nur rauchen. Warum raucht sie denn nicht, denkt sie sich, das würde so hervorragend ins Bild passen.
Ihre stumpfen braunen Haare, so schön kurz geschnitten, werfen ihr mattes, leicht befettetes, dumpfes Licht zurück aus dem Spiegel in die ach so schrecklich traurigen Augen.
Und dabei sollte doch Einhörner, zuckersüße Spielwiesen, lachende Girlanden, heile Welt, schöne sanft traurige Musik und gutes Abendessen; war dann aber doch laut, verrückte Geschichten, bellende Zähne wildfremder, zu viel anderes Leben und der Alkohol.

Sie erfindet heute, mit ihren nussbraunen Äuglein, so hübsch hochgeschminkt, sie müssen immer hochgeschminkt sein, ein wenig Stil muss eben, egal wie und wann, das Wort Verzweiflung neu.
Und weiß was nicht sein darf. Das hat sie nun gelernt. Nein, so nicht. Wehe dem. Nicht so. Ganz fest in ihrem Gedankengepäck eingespeichert, denn alles sollte hätte müsste könnte würde. Aber erschlagen vom so ist es. Einfach so. Und es war so egal. Das war das Schlimmste. Das nichts passiert ist. Das Schlimmste.

All This Talk

Arme sie. Arme, arme sie.

Sie zerbicht sich einen Finger, der ist sowieso unnötig, kaut sich den Fingernagel ab und isst ihn auf. Was taugt denn noch ein Fingernagel an einem abgebrochenen Finger. Sie legt den Finger neben die Früstücksflockenschale und beobachtet, wie der Nagel nach wächst. Gelangweilt stapft sie durch ihr immersauberes Zimmer auf der Suche nach der Suche, was soll sie nur suchen. Sie legt sich auf ihr Bett und befriedigt sich mit der Vierfingerhand selbst, den süß-brennenden Schmerz des abgerissenen Fingers fühlend bis zum Höhepunkt, sie muss schreien, so geil ist das, Schmerz und Enttäuschung, und Orgasmus. Verdammt. Es ist so toll.

Arme sie. Arme, arme sie.

 

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