Jenseits des Wahnsinns entfaltet sich etwas. Ob es gesund ist, kann man nicht ahnen. Aber es ist schön anzusehen. Konfus, zerrüttet, vollkommen durcheinander, im Schneidersitz, einen kleinen Zweig zwischen den Fingern haltend, die Rinde leicht abpuhlend sitzt es da. Die straßenköterblonden Haare bewegen sich, leicht, mal hin, dann wieder her. Sie scheinen es nicht eilig zu haben und sich wohl dort oben zu fühlen. Der Blick gleitet gemächlich umher, alles wahrnehmend, aber doch irgendwie nichts sehend. Aufstehen, weitergehen, den Zweig weg schnippsen, die rest Rinde unter den Fingernägel rausholen.

Die Sonne, schwer vom ganzen tieforange, dunkelschwersattlila, puderlippenrot plumst weg hinterm Horizont und verheißt für heute mehr ein Gestern als ein Jetzt.

Zottelig wirken die schemenhaften Umrisse all dessen, was im Schneidersitz ratlos wirkend dasaß.

„Nun ist es also soweit“.
‚Was hast du jetzt vor?‘
„Du fragst mich. Dabei wusste ich nicht einmal, dass es irgendwann jetzt sein würde, ein solches Hier geben könnte. Und doch. Alles so einfach, aber irgendwie verstehe ich nichts mehr, jetzt, wo alles klar sein müsste.“
‚Was hast du jetzt vor?“
„Hier sein. Das war doch der Plan. Hier ankommen. Nur dann geht’s ja offensichtlich nicht weiter.“

Ratlos, mehr als gerade schon, sucht der Blick nach dem kleinen Stück Zweig, an dem im Schneidersitz lediglich die Rinde abzuphulen galt. Wo ist es hin? Wieder mal nicht genau aufgepasst.

‚Kannst du schwimmen?‘
„Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich habe auf jeden Fall gelernt, nicht unter zu gehen, wenn das zählt.“
‚Tut es. Zwar nicht doppelt, aber immerhin.‘
„Dafür bekomme ich nicht so schnell eine Gänsehaut, wenn du verstehst.“

Beide verstanden. Keine Gänsehaut. Viele Sterne. Das ruhende Gewässer und absolut keine Ahnung, was man nun mit all dem Ankommen anstellen soll.

cave

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