Wie langweilig, als du mal wieder feststellst, nach diesem weiteren Hollywoodschinken voll ganz besonderer Kinder, die sich ihren Weg gebahnt haben nach ganz oben, nur um dann doch zu scheitern (und sei es dadurch, dass sie sterben), dass dein Leben irgendwie, trotz tausernder Höhen und Tiefen…denkbar normal ist.
Du sitzt da, berührt von fremden Geschichten, die du all zu gerne en massé vertilgst, und schaust in dein Zimmer. So sieht es also aus. Ob nun 1000 km weiter entfernt in einem anderen Raum, oder in diesem hier.
Angetrieben durch nichts anderem als Leidenschaft, drängt sich dir die bissige Frage auf, was, wenn mich diese eine, diese große, diese verheißungsvolle Leidenschaft nicht packt, alles über den Haufen werfen und komme was wolle losrennen lässt. Was?

Du magst sie, diese Helden wider Willen. Das Scheitern, das eigentlich ein Gewinnen ist. Das Machen und mit Kopf durch die Wand. Das gefällt dir, entfacht in dir ein kleines Feuer, kitzelt an deiner Leidenschaft. Und kaum kommt der Abspann, oder die letzte Seite ist gelesen, sitzt du dann da, mit dem Zimmer um dich herum, die andere Welt vorbei, und weißt nicht so recht, wohin mit der fremden Leidenschaft, dem geliehenen inneren Antrieb. Bereichert durch ein fremdes Gefühl, angefeuert von noch so jemand anderem. Und du fragst dich, ganz leise, fernab von Selbstmitleid: was mache ich hier eigentlich?

Und du fragst dich, wer da diese, mal größeren, mal kleineren, Monumente an Geschichten zusammenstrickt. Eine Kunst für sich, findest du. Jemand all dem Mut einzutrichtern, der mit Sicherheit nicht mal vom Erzähler und Macher der Geschichte selbst stammen. Also noch so ein Held in Strumpfhosen. Noch so jemand. Gestrickt von sich selbst. Schon stehen da zwei Helden hinter der Geschichte eines einzelnen Helden. Selten wird die eigentliche Figur, über die der Film geht, gerühmt. Ihr Leben, das ach so lebenswert ist, wird auf Heller und Pfennig ausgeschlachtet, aufbereitet und zur Show gestellt. Mit Worten. Mit Bildern. Oder eben einem Song.

Und trotzdem sitzt du dann in deinem Zimmer. So normal, wenn überhaupt. Fernab irgendwelchen Selbstmitleids, erneut. Und bist verwundert.
Mit keinem besonderen Talent, mit dem alle so viel werben und angeben, scheinst du ausgestattet worden zu sein. Zumindest keines, dass dir nach all der Zeit ins Auge sticht, oder aus deinen Innereien heraus zu schreien beginnt: befreie mich! Alles beschissen normal. Ein normales Bier. Normales Abendessen. Eigentlich normale Freunde.
Und dann merkst du: normale Filme. Normale Bücher.

Und dann machst du dich auf die Suche, so irgendwie. Denn so schlecht findest du dich nicht. Und das um dich rum. Das Aufstehen, losgehen, auch wenn das beides sehr viel Kraft fordern kann. Das Mittagessen und ein gutes neues Buch. Nein, wirklich nicht. Auch wenn es nicht von Helden erzählt wird. Oder einer Eingeweidenleidenschaft. Und suchst heldenfreie Helden. Oder eben welche ohne diese verdammte Leidenschaft, die offensichtlich eine Brennflatrate hat. Denn die hast du halt nicht.
Und hoffst, dass dein Zimmer nicht immer ein bisschen leerer aussieht, wenn du ein weiteres Buch zuklappst, oder einen Abspann siehst. Oder aus einer Bowie-Muesumsausstellung heraus spazierst. So viel Antrieb. Und Elan. Und Leidenschaft.

Du bist die lebendige Antithese zum Heldentum, zur Leidenschaftsverfeuerung. Und musst jetzt halt zur Arbeit.

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