Du willst schnell fühlen, richtig fühlen, immer das Beste fühlen. Von dir aus halt auch mal so richtig schlecht. Okay, das muss drin sein, denkst du dir, ohne geht es ja auch nicht, mit der Gefühlskaskade. Aber ordentlich und verständlich willst du fühlen. Ohne Drumherum, ohne gedankliches Stottern, ohne wundern über sich selbst, was das denn jetzt schon wieder ist.
Alle Selbstzweifel sollen über Bord, die sind unsexy, störend, zerstörend, zermartern dir nur das Hirn.
Also her damit, woher bist du dir zwar noch nicht so sicher, aber du warst es dir mal. Da war so endlos vieles klar und sonderlich lange ist es auch noch nicht her. Klar war, wie du es hin bekommst, einen schlechten Tag in die richtige Tasche weg zu stecken. Klar war, was dir hilft, wohin es geht, wohin du gehst, mit diesem Wust an Ungereimtheiten. Aber nein, ein paar Etagen später stehst du verwundert vor dir selbst, ein wenig leerer als zuvor, mit einem inneren Loch das du nicht so richtig verstehst.

Deshalb hörst du auf zu machen. Dies und das. Und suchst nach nichts, weil du keine Ahnung hast, nach was du sonst so suchen sollst. Und suchen generell ist anstrengend und noch viel schlimmer: was, wenn du nichts findest. Deshalb hörst du auf und gibst dich dem Nichts hin. Etwas unbequem, drückend, hier und da ein Stich, flauer Magen und diese Gott verdammte Unsicherheit; mal wieder.

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Dein Körper ist so schnell umgezogen, in Kisten, Taschen, Säcken und Koffern von F zu G transportiert, du hast aufgehört zu zählen das wie vielte Mal dieses hier war. Dann steht dort alles, in dem wieder-Raum. Steht dort vor dir, steht so rum und die Geschichten der neuen Gesichter um dich herum lächeln zurückhaltend mit einem ‚Hallo‘ und einem Blick, der gemixt ist aus Interesse, Verwunderung, Neugier und Scheu.

Die Stimmen des Gelächters des neuen Hinterhofs sind unbekannt, nicht aber das Gelächter. Schön, aber auch fremd. Müde, aber auch voll Neugier. Du weißt nicht mehr, wie du dich fühlen sollst, aber du willst es schnell.

Das Dumme ist, ein wenig Glauben bricht weg, von Mal zu Mal. Es läuft alles so wunderbar zwischen allen, also machen so viele unsichtbares kaputt, wieder und wieder, ohne Rücksicht, denn da kommt ja noch so vieles, die Welt ist voller Möglichkeiten, wo anders wird es sicher, sicher besser, schöner, ausgeflippter, gemütlicher.

Dinge bleiben unausgepackt, du willst immer noch schnell richtig fühlen, aber es will sich nicht einstellen. Dein eigener Zynismus kotzt dich an, du verstehst dein Bauchgefühl noch immer nicht, es scheint eine andere Sprache zu sprechen und du fühlst, sogar jetzt, nach dem Ankommen, hinsetzen und auf alles schauen: bald geht es weiter. Mal wieder.

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