sitzt du, und siehst unendlich erschöpft aus.
Was denn los sei, frage ich.
Zu viel und gleichzeitig, dass sei das komische, zu wenig, sagst du.
Du hättest dir, und das sei auch nach wie vor so, zu viel erwartet von allen möglichen Leuten und nicht zuletzt dir selbst. In deinem Kopf mache so viel Sinn, aber anderen das zu erklären sei so unendlich ermüdend.
Wem du denn etwas erklären müsstest, möchte ich gern wissen.
Jedem, irgendwie, vor allem den sehr nahestehenden Personen. Und das arte in Streit aus, immer öfter in letzter Zeit. Dann würde es mitunter so lange brauchen bis du wieder bei Kräften seist. Du möchtest einfach nicht mehr streiten, da du nichts böses im Schilde geführt hättest.

Ich wende ein, dass es nicht eine grundsätzlich böse Intention sein muss, die entweder unterstellt oder tatsächlich vorhanden sein muss, um zu streiten. Simple Missverständnisse reichten zumeist schon aus um in eine Auseinandersetzung zu geraten. Zweierlei Welten, gedanklich, emotional plus die Erwartungshaltungen die man an die anderen stellt, prallen dann aufeinander und geben ein großes Kuddelmuddel welches ausdiskutiert werden möchte.

Du sitzt in diesem Sessel, guckst abwechselnd auf den von Fusseln übersäten weiß-schwarzen Teppich zu deinen Füßen und der Wand vor dir, die einen frischen Anstrich vertragen könnte. Deine Augen sind so müde und traurig, du siehst ausgelaugt und schwach aus in einem Körper, der alles andere als genau das zeigt: sportlich und kräftig.

Du vermisst dein Leben vor diesem, genau das vor 1 1/2 Jahren, irgendwie. Aber irgendwie auch nicht. Ein paar Aspekte daraus, am liebsten gemischt mit einigen von jetzt, nur anders… du klingt durcheinander.

Ich bin denkbar ungeschickt im Aufbauen von Menschen, und biete dir Hochprozentiges als billigste und schnellste nicht-Lösung zur Betäubung dieser Kaskaden in deinem traurigen Kopf an.

Du lächelst schwach. Du möchtest einfach zu gern jemand anders sein, wo anders, Dinge leichter in den Griff bekommen, oder zumindest das Gefühl, etwas im Griff zu haben, dabei nichts zu verpassen und irgendwie… Seltener eins ausgewischt zu bekommen, häufiger in den Arm genommen ohne dabei weitere Verpflichtungen eingehen zu müssen.

Ich gebe dir den Rat, das Wort ‚müssen‘ aus deinem Wortschatz zu streichen.

Zum Abschied umarme ich dich. Du riechst ganz leicht nach altem Leder.

 

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