Die traute Runde, die nicht noch viel trauter durch immer mehr vertraut hinzukommende Gesichter wird, sondern nur bunter. Wildes, angeregtes Geplauder vollkommen unabhängig davon, ob jeder etwas dazu beizutragen hat, oder nicht. Es plätschert dahin, wird geschimpft und gelacht, an vergangene Zeiten erinnert und viel vorgenommen, denn so wie es ist kann es nicht bleiben, es ist zwar vieles total okay, dennoch längst nicht so, wie man es tausend mal besser, eigentlich, machen kann.

Ein paar kleine, leuchtende Fenster gehen in Handflächen auf. Abtauchen, weg von dort, hin ins Zeitlose immeretwaslos. Schauen, was man verpasst haben könnte, denn dort in der künstlichen Datenwelt ist es dauerhaft voll Knistern und Aufregung, dort verpasst man per se schon alles, wenn man nicht davor sitzt und auf ‚aktualisieren‘ drückt. Unter die Nase gerieben bekommen, was hätte, könnte, sollte, und, ach so, ja: hier noch die Nachrichten.

Künstliches Licht das so aufgeregtes, selten zusammenkommendes, etwas anstrengendes Stimmengewirr egal werden lässt. Um ja nichts zu verpassen, verpasst man anderes, um jeden Preis. Nur für das Gefühl von dem man nicht mal so genau weiß, was das jetzt eigentlich soll. In einer neuen, scheinbar großen, aber Miniatur Welt, die so laut schreit, dass kein Mensch der Welt eigentlich noch aufmerksam zuhören kann. Daher einfach mitschreien, dort hinein, in der selbst die lauteste Stimme ein Winseln in einer bläulich erleuchteten Handfläche, in der Mitte seiner Liebsten ist- und bleibt.

Innerlich geht man dann eine ernüchternde Checkliste durch, wenn das TamTam des Besuchs endet:
1. Mal wieder mehr an andere gedacht, und was die vielleicht (über einen selbst) denken (oder auch nicht), als an sich selbst.
2. Dadurch dann logischerweise weniger man-selbst gewesen und vergessen das auch zu sein. An anderen rumzudenken ist zwar anstrengend, aber bei weitem leichter, als sich selbst treu zu bleiben: und am Ball, was mit einem selbst eigentlich gerade so los ist. Ohne dabei die „anderen“ aus dem Blick zu verlieren, denn
3. den „anderen“ zu wenig zugetraut, dass auch sie „sie selbst“ sind, einfach so, ohne dass man versucht zu erraten, was in deren Köpfen los ist.
4. Punkte 1-3 waren schon mal verstanden und verinnerlicht: dann kam ein neuer Mensch ins Leben und da war es um die Verinnerlichung geschehen.
5. Sich selbst glauben.
6. Nicht alles glauben, was man glaubt oder grübelt. Wenn es tatsächlich „denken“ ist (der Übergang kann fließend sein), so sei es genehmigt.
7. Den Unterschied erkennen.
8. Geld ist egal. Aber es muss welches da sein. Sonst ist es nicht egal und: nervt.
9. Älter werden kann unfassbar ernüchternd sein, denn: es gibt einfach Dinge, die gehören gemacht. Aber: es gehört auch geträumt. Wie bei einer warmen Winterjacke- der Mix macht’s. Ernüchternd? Es gibt eben Dinge, die gehören …
10. Nicht immer alles persönlich nehmen.
11. Sich selbst lieben. Das ist eigentlich Punkt 1. Aber bei einer 11 stehen zwei 1. Das verleiht dem Punkt gegebenenfalls den Nachdruck, den er verdient. Obacht! Mit der Selbstliebe ist es wie mit Punkt 1 & 2. Sie gehört einem selbst. Nur dir. Alleine. Auch wenn ohne die „anderen“ das Leben nicht zu bewältigen ist. Du gehörst zu aller Erst mal dir. Und wegen dir mögen dich die anderen. Nicht anders herum. Bleib dir so oft es geht treu. Ich glaube, dass ist eine der schwierigsten Lektionen, die immer neu gelernt werden muss. Daher wohl auch eine der nervigsten, die jeder gerne sagt „aber du musst dich doch selbst lieben“ blah blah blah. Doch: ohne gehts nicht. Siehe Punkt 9.
12. Frohes Neues. Jeden Tag.

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13. Wenn du etwas machen möchtest: dann mache es. Es sei denn es ist Selbstzerstörerisch oder du verletzt andere damit. Klingt wie aus der Bibel? Himmel, woher nimmst du solche Assoziationen? Komm mal runter! Hör auf zu wollen und fang an zu machen. Das Leben wartet nicht. Tu du es auch nicht. Du wirst älter. Das ist spitze. Aber nutze es. Ehrlich.
14. Versuche so gesund zu bleiben wie es geht. Ja, geh auch mal feiern. Vollkommen egal. Bekiff und betrinke dich. Auch egal. Doch: die Dosis macht das Gift. Oder willst du einen dir sehr wichtigen Menschen leiden sehen? Eben. Pass auf dich auf. Siehe Punkt 9. Aber: benimm dich deswegen nicht die ganze Zeit. Was mich zu Punkt 15 bringt:
15. Langweile dich selbst nicht. So etwas wie Langeweile gibt es nicht. Nur ein Mangel an Ruhe in deinem Kopf. Wenn du denkst etwas zu verpassen bist du bereits dabei dir den Moment zu versauen. Denn dann verpasst du das jetzt und glaubst etwas zu wissen, von dem du aber keine Ahnung hast, ob es wirklich irgendwo ist bzw ob es das wirklich gibt. Siehe Punkt 6.
16. Zeig den Menschen, an denen dir etwas liegt, so oft es dir eben möglich ist, dass dein Leben durch sie ein bisschen besser wird. Es kann immer noch beschissen sein, aber ohne sie wäre es nicht auszudenken. Daher: muchos gratias ihr tapferen Mitstreiter.
17. Menschen kommen und Menschen gehen. Das ist ziemlich gut gelegentlich und leider oft auch weniger. Daher siehe Punkt 13 und 16. Und:
18. Es gibt immer nur das Jetzt. Versuche diese harte Lektion zu kapieren und lasse das Leben wieder beginnen. Und wieder! Nur weil gerade weniger Input von Außen ist (vielleicht wohnst du in einem von Alten Menschen bevölkerten, kleinen Dorf am Rand des Waldes) heißt das noch lange nicht, dass nicht viel los ist: was glaubst du, was die Menschen um dich herum so alles für Geschichten auf Lager haben? Du willst keine Konversation? Auch egal. Aber mehr als das Hier und Jetzt wirst du niemals bekommen. Und ich glaube, dass ist auch gut so. Dieser Punkt verhält sich allerdings genau so knifflig wie Punkt 11.
19. Und auch das endet eines Tages. Scary? Echt jetzt, wieso denn? Eigentlich (ist der Tod) das Beste, dass uns allen passieren kann. Nur etwas mit Verfallsdatum lässt sich frühzeitig nutzen. Dann hat das Warten vielleicht mal ein Ende.

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