„Nach jeder Liebe gibt es wieder ein Erwachen, das fühlt sich ein bisschen an wie Frühling.“
„Ich mochte aber das nicht-erwachen dieser Liebe. Und ich mag es noch. Das viele Sinnlose. Von mir aus auch die Momente, wenn es mich wahnsinnig macht, was er immer tut.“
„Genau das wird dir dann nicht mehr fehlen. Stell dir nur mal vor: du regst dich darüber nicht mehr auf. Aus und vorbei. Nur noch du.“
„Ich weiß, worauf du hinaus möchtest. Ich verstehe das schon. Keine Aufregung mehr, dass alles so ewig zu dauern scheint. Selbst das Fahrradfahren zu zweit dauert immer so lange. Ohne erfindlichen Grund. Niemand ist krank, es ist weder super heiß, noch regnet es in Strömen. Es ist einfach Wetter und wir sind laaaaangsam. Auch das packen hat schon ewig gedauert. Alles.“
„Sind wir ein bisschen gestresst?“
„Nein, aber unnötiges langes Ausgeschlafe, so gut wie jeden Tag, und dann nicht weiter kommen, das macht mich wahnsinnig.“
„Schon mal daran gedacht, dass dein Gegenüber dich vielleicht als stressig empfindet? Okay, ich gebe zu, meine Qualitäten frisch Verlassenen zu helfen waren auch mal besser.“
„Du hast so Recht. Es wird mir fehlen. Habe ich alles falsch gemacht?“
„Super. Selbstzweifel. Ein ganz toller Anfang für einen Ausweg. Bemitleide dich selbst. Du Armes, Armes Ding. Niemand hat es so schwer wie du.“
„Was soll der Scheiß? Du musst mich bemitleiden, ich bin ich furchtbar armes Wesen. Mir wurde weh getan, obwohl ich so viel und so sehr gekämpft habe.“
„Ihr habt gekämpft? Mit allem Drum und Dran?“
„Lass den Mist, du weißt was ich meine. Es gab auch viel Ärger, wegen Missverständnissen, persönlichen Freiräumen und dem beidseitigem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Es vielleicht niemals sein zu können. Egal in was, und egal wie viel man sich Mühe gibt. Ein Moment der Schwäche und alles bricht zusammen.“
„Ein anstrengendes Leben im Kartenhaus.“

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„Warum habe ich dir hier in die Bar mitgenommen?“
„Weil du guten Zuspruch brauchst, alles richtig gemacht zu haben, und was besseres verdient zu haben.“
„Genau! Also benimm dich auch so!“
„Aber du hast nicht alles richtig gemacht, keiner von euch. Und soll ich dir was sagen? Das kann man auch gar nicht. Man kann versuchen, Fehler nicht als Fehler an zu sehen, sondern als etwas, das noch ausbaubar ist. Und nicht zu erwarten, vom andern, er soll so sein, wie man ihn gern hätte. Dann solltest du gottverdammtnochmal nicht mit einem anderen Menschen zusammen kommen, sondern mit einer Puppe.“
„Puppen können nicht sprechen.“
„Dann gibts auch keine Missverständnisse.“
„Doch, wenn man sich anschweigt.“
„Ein stummer kann nicht schweigen. Er kann schlicht nicht sprechen. Und selbst das ist nicht immer so.“
„Du weißt doch was ich meine, dieses nebeneinander her geschweige, anstatt eben zu sagen, was eigentlich los ist.“
„Es ist doch immer was los. Nie ist nichts. Freunde interessiert das eben nicht so, denn sie werden kaum im gleichen Bett mit dir schlafen wollen, Nacht um Nacht. Und wenn was nicht passt, kann es ihnen eher egal sein. Manchmal ist es das nicht, aber heeeeyyyy, die meinen’s ja nur gut. Aber wehe dem der Partner sagt was, das ist dann unangebrachte Kritik oder was?“
„Du taugst wirklich nicht zum ausheulen.“
„Zwei Whisky, zwei Gin, zwei Vodka, zwei Jägermeister. Und zwei Bier danach. Bei den Bieren kannst du dann von mir aus weinen. Aber erst da. Und nur für ein Bier.“

„Als ob es immer wieder so ein Blitzableiten braucht. Wieder und wieder. Wehe dem, es ist mal eine Woche friedlich und es ist einfach nichts, dass muss für sie ein Horror sein.“
„Aber es ist doch sowieso nie nichts. Und wir diskutieren auch, du bist halt nicht in mich verschossen, deshalb treibe ich dich weniger schnell zur Weißglut.“
„Was ist los mit dir? Hast du Psychologie oder so einen Schrott studiert? Hör zu. Wenn jemand immer etwas findet, dass es auszusetzen gibt…“
„Jetzt ist aber gut. Erst meckerst du die ganze Zeit was alles nicht stimmt und bist dann verwundert, wenn irgendwas, sogar verbalisiert, zurück kommt?“
„Okay, prost erst Mal.“ „Und jetzt, lass mich jammern. Dazu habe ich das Vorrecht, mit gebrochenem Herzen. Ich bin ganz arm. Also spendiere mir Komplimente und Zuspruch, so unsinnig der auch immer sein mag. Das habe ich mir aufgrund des Scheiterns der Beziehung verdient. Dazu sind Freunde da.“
„Okay. Es ist immer scheiße wenn so etwas passiert. Obwohl uns die Filmindustrie vorgaukelt, zumindest großteils, dass alles so toll klappen kann. Und tun so, als würden sie an zu wenigen Selbstzweifeln leiden, die du eben hast, und partiell zu wenig Selbstbewusstsein, was du gerade hast. Überall versucht Gründe zu suchen, nur nicht bei sich selbst. Dabei hast du locker 50% des Scheiterns ausgemacht.
Mehr Mitleid gibt’s nicht. Trink.

 

Gut so. Noch zwei Obstler bitte und zwei Halbe.

Prost.

 

Und jetzt erzähl mal: es wurde also immer etwas ausgesetzt an dir, dann dieses unmenschliche langsam-sein, und das unerträgliche geklammere, ja? Mhm, du Armes, Armes Ding.“

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