Beides gleichzeitig geht nicht. Die viele traurige Musik wird dir darüber auch kaum hinweg helfen.

Da stehst du, in deinen Augen spiegelt sich der Sonnenaufgang, aus dem Erdgeschoss steigt der Geruch des bald fertig gebrauten Kaffees herauf. Nichts ist zu hören. Kein Hundegebell, kein Hahn, kein Auto. Würden Wolken laut sein, wäre zumindest ein wenig etwas zu hören. Könnten Farben singen: die Luft wäre voller Melodie, würde nach Frühling duften, ein wenig Schwere in sich tragen, aber nichts an Schönheit trotz ihrer Melancholie einbüßen.

Ein Teil wohnt hier. Hat es schon immer. Kein idealisiertes Ich, sagst du, nein, sondern einfach ein Teil, mit allem was dazu gehört. Spaziergänge mit den bekanntesten aller Gedankengänge. Dass man sich ausmalt, wie es wäre, wenn… jemand an deiner Seite wäre, jemand, der dich inspiriert, dich sieht und erkennt, nimmt wie du bist, und all das kannst du zurück geben. Der Morgen hat einen ganz speziellen Duft. Aufstehen macht keinen Spaß, aber diesen Duft bekommst du nur genau dann, bevor die Sonne aufgeht, wenn die Welt noch keusch und die Menschen verschlafen sind, immer mehr Lichter hinter den vielen kleinen Fenstern angehen.

Du bist ein Mensch der Wärme. Warmes Licht. Warme Mützen. Handschuhe. Warme Schuhe. Wärmflasche. Warmer Kaffee, Herz erwärmende Filme, tief gehende Musik. Du wärmst Seelen, alleine dadurch, dass du ehrlicherweise da bist. Einfach so. Anwesend, und zur Not auch nur zuhörst. Nichts sagst. Aber weißt, was man sagt.

Heute sagst du, es wäre einfach zu schön, könnte man beide Welten haben. Das konntest du noch nie, sagst du. Das bringt zwar auch die Schönheit einer jeden zur Geltung, muss man doch akzeptieren, dass es zwar immer beide gibt, parallel, aber nie gleichzeitig mit dir in ihnen.

Wenn du dort bist, bist du anders, sagst du. Ohne, dass du jemals darum gebeten hättest, oder aktiv etwas daran ändern könntest. Du kommst an und es passiert. Wie eine sanfte Decke, die sich um dich schmiegen würde und die sich erst wieder abstreift, wenn du gehst. Auf dem Weg zum anderen löst sie sich immer mehr und an ihre Stelle tritt ein Panzer. Keiner zum Kämpfen, auch keiner Festung gleich, aber dennoch beachtlich anders. Kräftig, gewappnet, mit Dellen und Roststellen, aber ein Panzer, eine Rüstung.
Klar, meinst du, dass geht wohl allen so, das ist die Zeit, die das möchte, dass es so ist: an möglichst vielen Orten gleichzeitig und dann erleben, aufsaugen, anpassen. Nur vergesst mir die Übergänge nicht, sagst du dann.

Von einem weg, hin zum anderen, das dauert immer. Und niemals zuvor war Zeit so unsexy wie heute. Früchte müssen reif sein, die Zeit muss immer reif sein, bevor man einen Job anfängt muss man alle Qualifikationen schon fertig mitbringen, ohne zu wissen, ob man zu den Kollegen passt- und sie zu einem.

Alles auch nicht besonders schlimm, sagst du, an dem Fenster mit dem Panorama, in dem sich minütlich die Farben ihre eigenen Übergänge in die Hände geben. Aber das viele Kommen und Gehen lehrt dich immer mehr, dass es ohne das Eine das Andere nicht gibt, aber auch das Eine niemals zusammen mit dem Anderen.
Physikalisch die dümmste und simpelste Erkenntnis des Lebens, sagst du, deshalb sollte man nicht darüber sprechen, laut. Aber es zerreißt dich, an manchen Tagen mehr, an anderen eben sehr viel weniger.

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