Der Teppich, gemasert von sich windenden Strichen. Er liegt unter dir, du sitzt auf ihm. Es ist perfekt. Deine Hände gleiten über seine viel zu alten Strukturen. Er wärmt dich, du lehnst mit dem Rücken an ein Bücherregal, das so voll von ihnen ist, dass sie dich stützen.
Dein Magen hat das schale Gefühl vom Tag abgelegt, die Verwunderung und die leichte Säure. Er gurgelt gelangweilt vor sich hin, gut gefüllt, aber irritiert. In dieser tausendsten Wohnung sitzt du. Und glotzt, tust dir selbst so unendlich leid. In diesem fünften Stock der Veränderung. Der alldurchdringenden Neuerung. Was da erneuert wird, ist keinem so recht klar, aber fünfter Stock mit Aufzug, geht auch schlechter.

Der Geschmack von Kotze mixt sich mit dem Wissen, dass es nicht immer einfach ist, das zu tun, was irgendwie richtig ist für einen selbst. Das fühlt man dann auch nicht mal, so dankbar ist die gesamte Biochemie im Hirn. Das Hirn schwappt dann langsam in seinem eigenen Wasser selbstgerecht hin und her und denkt halt vor sich hin. Du musst dann mit dem ganzen Gefühlskonfetti selbst klar kommen. Logik? Weit gefehlt lieber Peter, sorry Anna, tut mir leid Brunhilde. Nix da. Hier kommt das Organ das nicht nur das logischste, sondern auch unlogischste ist, dass es gibt. Vielleicht vergräbst du deshalb alle zehn Fingerchen gerade in deinem Haar.

Und willst wissen, was das soll. Dann doch lieber post-Alkohol Sodbrennen für drei Tage. Aber dieser Scheiß hier?

Du tust dir unendlich selbst leid, ach Hannelore. Du armer Fisch. Gesund bist du. Gut schaust du aus. Anders geplant war bei weitem nicht alles, aber doch so vieles. Irritiert bist du, weil es trotzdem irgendwie gut ist, auf diesem Teppich, mit stabilen und in sich ruhenden Büchern in deinem Rücken.

Und doch, Sieghilde, wie kann man sich nur so verloren fühlen. So allein, unendlich traurig, fernab jeder See, auf der man so schön offiziell verloren gehen könnte. Nein, hier auf diesem Teppich fällts ja nicht mal jemandem auf.

Und dann rettest du dich in andere Welten, die aber an Tagen wie heute weniger plastisch als sonst sind. Die Zauber nicht ganz so glaubhaft, die Helden zertrümmern nicht jeden Stein. Und trotzdem, hier im fünften, bist du ganz glücklich. Ohne Peter Pan diesmal, zugegebenermaßen.

Und weißt, tief in dir, was dich retten kann bist irgendwie nur du. Und ein paar Sachen, die du kannst, die da auch irgendwo sind. Der Neid klopft gegen deine Schädeldecke, kennen so viel mehr als du, was genau das ist, was sie wollen. Diese vielen skurrilen „sie“. Und dann halt noch du, da mit den Fingern in deiner schönen Frisur.

Ach Hannelore, es ist doch gar nicht so schlimm, wirklich nur halb so wild, verloren zu sein. Dann gibt es irgendwo etwas, dass es zu finden gibt.

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