Gabi genießt diesen Tag. Sie ist nicht mal Mutter, will es aber unbedingt werden. Wenn sie dann die zwei Spätis endlich gekauft hat. Dafür spart sie. Ecke Hermannsplatz ist einer von denen. Der brummt, das Geschäft läuft gut. Vor allem Bier. Ja, das trinken sie alle. Heute hat sie frei, liegt auf der Couch mit der Liebe ihres Lebens. Peter. Den hat Gabi im Späti vor zweieinhalb Jahren kennen gelernt. Er hat sie erst gar nicht richtig wahr genommen. Irgendwann, er war vielleicht seit einem halben Jahr Kunde, fand er Gabi dann immer angenehm ruhig. Auch die legere Jogginghose von Gabi fand er toll. Ob sie gelegentlich Sport treibe, dass war der waghalsige Eisbrecher von Peter. Gabi, 42, schulterkurzes graublondes Haar, leichte Aknenarben, schöne aufgeklebte Augenbrauen, hat dann grinsen müssen und ein kribbeln in ihrem Magen gespürt. Das war so lange her, dieses Kribbeln, bei Gabi, dass sie schon gar nicht mehr geglaubt hat, nach Sven, ihrem Ex, der ihr total den Kopf verdreht hatte, dass sie das jemals wieder spüren würde. Dann kam Peter. Zwei Bier, jeden Abend, leicht schütteres, sehr kurzes blondes Schopfhaar, dicklich aber lieb, etwas schüchtern, und erst sechsunddreißig. Sechsunddreißig. Gabi wirkte auf junge Männer, dass hat ihr gefallen.

Sie fühlt sich so geborgen, schön und klug im Verlies der Zweisamkeit inzwischen. Peter streichelt sie dann. Er guckt Formel 1, puhlt sich gespannt in der Nase, geleitet den Finger schmächtig zwischen seinen Lippen durch, direkt an seine Schneidezähne: happs. Der kleine, goldene Pfropfen wird frisch nasal geerntet genüsslich mit den Zahnspitzen zerbissen, dann geschluckt. Die Augen folgen währenddessen gespannt dem Bildschirmspektakel der aufpolierten Spritschleudern, Kreis für Kreis. Hier ein kleiner Unfall, da schwabbelt die behaarte Speckkugel auf Peters Körper freudig. Sobald er den Vorfall nach seinem Gelächter kommentiert, wackelt nicht nur die Kugel, sondern auch die Brustwarzen, um die herum sich ein Kranz aus kringligen Haaren gelegt hat. Peter mag eben diese Ganzkörperrasuren nicht.

Zisch, ein neues Bier, gurgel, glucks, grunz. Sie findet Peter abstoßend sexy, möchte ihm gleichzeitig vor innerer aufschäumenden Wut eins in die Fresse hauen, als sich gleichzeitig auf ihn setzen und ihren lahmen Körper, ihre angenehm hängenden Brüste, auf das einzig feste an Peters Erscheinung zu drücken: sein strammes Glied.

Siebter Stock mit Ausblick. Formel 1. Flachbildfernseher, nur noch vierzehn mal Ratenzahlung, dann gehört der flache Stolz, der 4k kann, Peter und Gabi. Sie sind hier rein gezogen, zusammen, mit dem Traum der zwei Spätis. Gabi hat Peter und seinen Bauch immer mehr dazu überredet, er glaubt jetzt an ihre Vision, wenn er jeden Tag schrauben geht. Bei Willy’s Zweiradkammer. Das ist ein bodenständiger Job.

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