Und du dachtest, alles wird besser. Und hast dabei einfach vergessen, dass alles anders wird. Immerzu. Das Meer ist niemals das Meer. Es ist jedes mal anders. Klar, Salzwasser, Strand, Wind und Wetter, ich verstehe schon. Aber du bist immer eine andere, wenn du auftauchst dort, dich am Meer verlierst, einfach nur schwimmen gehst, einen fantastischen Abend mit all deinen Freunden dort hast, Kummer verarbeitest, auf die Welt fluchst, oder einfach nur die Weite der Welt mit der deiner eigenen Seele gleichsetzt. Immer ein anderes Meer. Immer ein anderer Blick. Jedes Mal riecht es anders, die Wolken konstellieren sich neu über den sich immerfort brechenden Wellen am Ufer. Mal scheint es, als würde selbst am Meer die Stille dein Trommelfell überfordern, dann wieder ist alles am Meer dermaßen tosend laut, dass du Zuhause ein Piepen in den Ohren vom Lärm der Naturgewalt hast.

Nichts besser, nicht schlechter. Es ist einfach alles da. Dein Kopf pocht. Irgendwas drückt in deinem Hals. Es kann die Aufregung, aber auch irgend eine Form von Ungeduld, ein wenig Ängstlichkeit sein, oder der aktuell fehlende Mut an dich selbst zu glauben. Du hattest ein mal erzählt von deiner Unlust auf Veränderung. Einer Müdigkeit, die sich über alles drüber legt, was das Leben betrifft. Und du wüsstest nicht, woher das kommt.

Wir waren trinken. Wir waren spazieren. Wir haben einfach gekocht und Musik gehört. Haben uns alte Filme, ohne Handys und dergleichen angeschaut. Und waren nur: da. Nicht mehr, und nicht weniger. Du hast gekündigt mit der Begründung: warum auch nicht. Fand ich einleuchtend. Solange wir uns haben, wird hier keiner verhungern. Wir haben getanzt, endlich mal wieder. Bei schwüler Luft im Zimmer, vielleicht ein wenig zu viel Wein, etwas Musik die uns an ‚es war einmal‘ erinnert, traurig lächeln lässt, und schreiend Weisheiten ausgetauscht. Und gemerkt, dass hier, das ist eben auch das Leben. Das hier. Genau jetzt. Weisheiten die genau so lange gelten, wie sie im Raum schweben. Mehr egal sein lassen, das wollen wir und haben uns einen Indianerschwur geleistet.

Du wirst keinen Pokal am Ende eines wie auch immer gearteten Leidenswegs bekommen, keine Zeremonie zur Ehrung der tapfersten Kämpfer mit der besten endurance. Aber auch keine Megapille, die all die störenden Drecksemotionen wegbläst wie eine Wasserstoffbombe für die Gefühlswelt, wenn du mal wieder alles zu persönlich nimmst, einem Wutanfall nicht gelassen gegenübertreten lässt, der noch nicht mal dir gilt, oder deine eigenen Interessen hintan stellst, aber sauer wirst, wenn das weder gebührend gewürdigt wird, noch du etwas dafür zurück bekommst. Keine Siegerehrung, keine Pille. So what? Und nun, ohne vollständige, innere Egalität, oder dem Wissen um den ersten Platz der tapfersten der tapferen Leidensgenossen, quo vadis du oller Pfeiffenkopf?

 

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