Es ist endlich so weit. Schon wieder.

Gewappnet und adrett stehst du da. Fertig gemacht, gut duftend, die Dusche hat gut getan, genau wie das viele Training die letzten Wochen. Ein menschlicher Blumenstrauß. Hier bist du also. Schau dich an. Prachtvoll, wer hätte das gedacht. Nicht vollkommen dumm, ganz flott, etwas belesen, halbwegs Grund-gebildet und kraftvoll. Wie ein Soldat kurz vor dem Kampf, mit allem ausgerüstet und wohltrainiert, allerdings nur ahnend, nicht wissend was da auf einen zu rollt. Das Blut verschafft sich mit Nachdruck Platz in den Adern. Ausgeschlafen, Zeugnisse in der Hand, Blick auf den Horizont gerichtet. So sieht man es kurz vor dem Abspann in einigen Filmen, extrem gut gemachten Werbungen oder veralteten Marlboro-Plakatierungen. Nur: vom Stehen allein gehts auch nicht weiter voran.

Gerne würdest du dich jetzt beeilen. Eine widersprüchliche Situation. Jahrelang auf einen Moment hin arbeiten verklärt etwas den Blick darauf, dass man erst weiß, wie etwas ist, wenn es so weit ist. Auf einen Moment kann man sich nicht vorbereiten. Daher weißt du jetzt nicht so recht, wie du dich fühlen sollst. Und wohin du rennen sollst, ist dir doch so nach rennen. In dir brennt es. Au ja. Ein kleines Inferno, dass nur darauf wartet los zu legen. Nur, wie Spaceman Spiff schon singt, ist Vorwärts keine Richtung, und generell ist das mit der Richtung gerade so eine Sache. Du findest den Himmel aktuell sehr schön. Den Geruch des Herbstlaubs. Das Gefühl des gestatteten Verwirrtseins. Des alles und nichts- gleichzeitig!

Hier zu betrunken, da lange Gespräche, dort eine Sprache lernen (mit den best intentions), anderswo neue Gerichte kochen lernen, eine Sportart, ein Buch lesen, dass schon so lange aus dem Regal zu dir rüberäugt.

Nur Reisen, zu deiner Schande, interessiert dich nicht, denn dafür hast du gerade weder das Geld noch das nötige Interesse. Du warst so viel unterwegs, bist aber gerade so aufgewühlt, dass alles nur noch aufgewühlter würde, würdest du dich in ein Flugzeug setzten und über Ozeanien nach Weitweg fliegen um dort exotische Bilder zu schießen und bei wiederum anderen Fernweh zu generieren.

Keine Vorlesung über Verwirrung. Nur fragende Gesichter, was nun. Und du stehst einfach da, frisch geduscht und beurkundet und bist neugierig und ratlos. Gleichzeitig. Wie schön.

 

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