Rutsch rüber

Weg von hier und weg von dir. Raus aus diesem rauchigen, überbewerteten Laden, warum den alle loben soll jemand verstehen. Selbst der Suff kann dann nichts retten.

Eine sanfte Brise später sitzen wir uns, halbfremd belächelnd, gegenüber und fühlen und zusammen ausreichend gemeinsam abgelenkt, zu beschäftigt fürs Alleinsein. Das ist prima.

Gesprächsthemen wie Lichtgestalten in den Finsternis, Bühnenwesen unterm Tresen, Einsilber unter Wasserfällen und Tranquilizer statt Koffeintabletten wechseln sich ab.

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Einigkeit herrscht über sowohl die Schönheit, als auch die unbestechliche und chronische Ungerechtigkeit des Lebens. Mit all den damit einhergehenden Fragen, denn uns scheint es ja gut zu gehen.

Eine Coca-Cola tanzende Wahrheit schwappt betrunken an euch vorbei, ihr weisen Gegenwartsphilosophen. Szenenwechsel, offensichtlich. „Keuschheit von was auch immer bringt nur dem was, der daran glaubt“ schreit sie laut.

Die letzten zehn Schnaps, murmelt der eine, waren einer zu viel. Nein, der andere, einer zu wenig, einseitig.
Kacheln langweilen sich in ihrem Dauerweiß neutral auf dem stinkenden Abort, der seit mehreren zehn Minuten in Schach gehalten wird von dem, der meinte, zwei zu viel.

In der Spielunke gefangen lasst ihr Goldschwämme eure Emotionen zurück, jetzt nur ans Verhüten denken, denkt sich der eine und der andere geht mit.

Nüchtern war das Bett viel größer.

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Gertrude setzt an

Absetzen war nach so unendlich erscheinenden Tagen wie heute sowieso noch nie Gertrudes Ding gewesen. Der Chef behindert, die Kollegen langweilig, die Arbeit eintönig und in der sogenannten „Fortbildung“ mal wieder nichts verstanden. Ist wohl eher eine Standbildung. Der Redner hört sich gerne reden. Ja, für Bettgeflüster würde er taugen, die Sau, aber das mit der Bildung kann er sich schenken. Gut und gerne dreizehn Jahre jünger, noch mal 65 Kilogramm leichter und mit leichtem Lispeln steht er in dem unfassbar schicken Konferenzraum und labert über Bilanzierungen, Tabellen, Mitarbeiterführung (es sind nur Mitarbeiter in dem Raum, ihn inkludiert) und Gertrude beginnt sich gemächlich in der Nase zu bohren, so ein Idiot. Alles, was er machen soll ist nackt sein. Sie würde es seinem dürren Körper schon geben, mit genügend Wärme und, ach, da würde er staunen: Ausdauer.

Wer hat sich nur diesem Humbug von wegen Professionalität hier, Leistungsstreben dort ausgedacht? War garantiert auch so ein dürrer Jüngling.

Endlich Abend. Feierabend und Abend. Ein toller Mix. Nach Hause zu gehen klingt verlockend wie Herpes, nach so einem Tag an dem man so schlau ist wie gestern. Also ab in eine Bar, hip und modern, warum auch nicht.
Gertrude kippt den Scheiß runter. Doppelten. Korn. Weil Korn knallt, hat es schon immer, und sie mag ihren schweren Leib eh nicht, also kann sie auf die ganze Lifestyle-Drink-Kacke scheißen. Sie schaut sich um, ach seid ihr alle schön, jaja, das sieht man, und trinken alle diese Drinks, die teurer sind, aber weniger knallen. Was soll das? Gertrude hasst solche Tage. Nachher werden ihre Finger den Jüngling spielen, in ihrem Bett, dabei weiß sie, sie ist sich sicher, sie hätte es ihm besorgen können. Gern auch von Hinten, Gertrude ist da nicht so.

Nach dem Suff bewegt sie sich, schwerfälliger mit Promille, aus dieser verfluchten Bar. Höhepunkt des Tages, wie traurig, denkt sie bei sich.
Auf solche Tage, und sogar Wochen, denn dieser Dreck kann sich ziehen wie Kaugummi, könnte sie wirklich verzichten. Das Ding ist, dass Gertrude sehr wohl bewusst ist, dass das Leben endlich und sie durchaus sterblich ist. Harte Themen, die an ihr abprallen wie Wasser aus der Dusche.

Richtig schön besoffen krallt sie sich ein Taxi, nur noch nach Hause. Am nächsten Tag ist Fortbildung…und da sollte sie zumindest fünf Stunden geschlafen haben. Disziplin ist alles.

once more once again

Zu sagen nicht viel, zu fragen schon mehr, wie man sich nach all der Zeit dann sieht, aus den Augenwinkeln, halblustig mittanzend zu der heute eigentlich dann doch ganz guten Musik. Dämliche Vergangenheitsform, beschissener Vollrausch der einen nichts mehr kapieren lässt, aber dennoch emotional reagieren. Wenn anstelle von Gelerntem ein melancholischer Wust von eigentlich-sollte-das-längst-vorbei-sein und so-ein-Dreck-was-soll-das tritt. Dämlich, wirklich dann dämliche Blicke, die sich ver-treffen, wollten sie sich eingentlich nicht sehen, mochten sich davor ganz gerne, lernen aber kontinuierlich, hartnäckig zu vergessen, ent-fühlen.
Neues tritt Anstelle von Altem, Entrümpelung braucht Zeit, Löcher stopfen auch, zuhören immer mehr Kraft die nur zu gern in solch zugesoffene und nutzlose Nächte investiert wird, um dieses Gefühlsgezauder über die Reling zu kippen und sei es nur einen gottverluchten Abend. Den ganzen Eimer voll, der immer am überlaufen ist, scheiß egal, wie viel man davon entsorgt. Wer sich das ausgedacht hast, denkst du träge, gehört geohrfeigt.

Ausschlafen, nein, lieber doch nicht, fertig machen, anziehen, einen Tagesplan erstellen und dann brav die to-do’s durchgehen. Wir sind schließlich nur ein mal jung. Nur weiß eben keiner zu diesem Zeitpunkt, wie es ist, alt zu sein. Das würde einiges ändern und auf den Kopf stellen. Doch so herum ist es schon… besser. Schließlich müssen Fehler einfach gemacht werden. Mal wieder.

Voyage

Du wolltest sie alle überholen, rennen, um die Ecke, clever sein und Abkürzungen finden. Ihnen eins auswischen, es ihnen zeigen, beweisen, auf Trab sein, hier lang, da lang, ruck zuck. Und nun sitzt du immer noch da und bist dir selbst der größte aller Vorwürfe. Dabei warst du niemals besser als jetzt. Hast zu wagen nie aufgehört, bist lebensfroh, scheust auch die finsteren Stunden nicht, bist mehr da als jemals zuvor.
Lass deine Ängste und Dämonen nicht vergessen, dass vorwärts keine Richtung ist, sondern nur stehenbleiben verkehrt. Bringe ihnen das Tanzen, Lachen und Weitermachen bei, dass sie zu Kameraden werden, auf die man sich verlassen kann, so dass sie vergessen, wer sie waren und zu etwas anderem, vertrautem werden, mit fieser Vergangenheit.

Für jeden ist Vorankommen und Geschwindigkeit etwas anderes. Vielleicht hast du in der dir so verhassten Zeit die wichtigsten Lektionen deines Lebens gelernt, bist dir derer nur noch nicht bewusst. Mit Sicherheit war es zu etwas gut, und sei es, zu merken, dass das ’schneller sein‘ bereits zutrifft, auf so vielen anderen Ebenen.

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Das doofe, wahrlich Doofe dabei ist, war und wird sein, dass es, ja du hast Recht, ein gesellschaftliches Vorankommen gibt. Und sich alle gerne messen, an künstlichen Latten, schmücken mit Bezeichnungen, die dir eben..noch fehlen. Aber Schmuck, so dachtest du, bekommst du früher als alle anderen. Welch Irrtum. Aber irren ist gut, das hat dir bis heute nur noch keiner gesagt. Irren ist der einzige Weg, danach schlauer zu sein, als davor.
Nur Schmuck an sich hat noch keinen schlauer gemacht. Vielleicht hübscher, sexier, begehrenswerter ‚oh lala!’… aber so lange du mit einem schlauen, stillen Schmunzeln ‚gut siehst du aus‘ sagst, es auch so meinst, aber weder Neid noch Reue empfindest, dann hast du dich Gott sei Dank zuvor häufige Male geirrt. Oder bist sehr weise. Bereits jetzt, wenn man das sagen darf.

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Gesucht und nicht gefunden, so frei und doch gebunden

Du wankst und torkelst, fast, aber nur fast, fällst du. Irgendwo an diesem Körper verstecken sich Muskeln, haben aber keine Lust mehr auf die Kämpfe des Lebens. Für sie sind alle schon ausgetragen, gefochten, nicht viele gewonnen, aber darum ging es dir auch nie wirklich, sagst du.

Fleiß, das betont dein in Falten geworfenes Gesicht, sei das wirklich aller Wichtigste. Fleiß und Kontinuität. Mit erhobenen Zeigefinger. Du akzeptierst nur nicken.

Erzählst, die anderen dies, die anderen das, schweres Leben, ja, das hatten sie, und du auch, damals ’81 in New York. Hättest alles unter eine Kappe bringen müssen, keine Hilfe gehabt, so schwer und so viel zu tragen, nein, das waren sicher keine Herrenjahre. Gehasst hättest du es, und geschafft, jetzt und hier, besser spät als nie, in der überschaulich minimalistisch modernen Villa mit Pool.

Unterschwellig, aus solchen Menschen sollte man schlau werden, tritt Rüge und Strenge hervor, aber auch Enttäuschung, da great expectations offensichtlich zunichte gemacht, dadurch dass der Gegenüber so ist, wie er ist. Aber hey, sei mein Gast.

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Das Wrak hat es geschafft, außer die Muskeln, die kommen nicht mehr mit. Ein bisschen Krebs, zu viele Zigaretten, viel zu viel schlechtes Essen und noch mehr Alkohol. Was soll auch ein Körper dazu sagen, denkt man sich heimlich. Und wie aufregend wäre es doch, wenn man es mit einem Geist zu tun hätte, dessen Geringschätzung seines Wirtes nicht niedriger als der Nullpunkt läge.

Und so spazieren die Gedanken, das Gesagte begleitend und viel zu sehr wertend, durch die Nacht. Ganz ohne Begleitung oder Regenschirm. Denn man weiß ja nie: wie sieht der Niederschlag bei massiver Enttäuschung aus?

Sanfte Brise

Und da sitzt man, und sitzt, und sitzt. Ewigkeit nach Ewigkeit. Schon so lange gibt es schlicht keinen Sex mehr, vielleicht kein Bock, vielleicht zu wenig Porno, man guckt sich an, spricht über alles und nichts, gewohnt und schön, man hat sich  immer viel zu erzählen. Du bist gekleidet wie ein Hipster, ich eher so wie ein gewollt und nicht gekonnter, eintönig langweiliger Schnösel. Man redet also, über alles, dann über sich, ein bisschen knutschen, aber weiter regt sich nichts, außer dem Frust, der früher so klein, inzwischen alles einnehmend geworden ist.
Zwei Menschen, eher dicke Freunde, in der Verpackung eines Pärchens, für alle die gucken und fragen. Doch das „dick“ wird immer mehr dünn, lange und auf Dauer hält das doch keiner aus, nicht im Kopf und schon gar nicht in der Hose. Ohne Sex läuft es, sagen viele, doch auch. Mag sein, wenn man achtzig und langsam impotent wird.
Man war zu wenig Porno, oder zu wenig wild und mit zu wenig Begierde. Das hätte, könnte und würde, wir zwei. Aber es wurde nicht, war nicht mehr und aus zwei im Paket wurden je zwei Einzelne in zwei separaten Paketen.

Das ist dann eben der Unterschied. Dicke Freunde verlieren sich in den seltensten Fällen. Verpackte Pärchen aber schnell, sobald die Verpackung aufgerissen und der Inhalt entnommen.

Traurig ist die Geschichte meist nur für die, die es betrifft, wenn nicht zu übermannt von Frust und Erschöpfung. Heute keine heitere Fabel, fragt es von links. Doch, vielleicht später, antwortet es von rechts. Wieso passiert das im Minutentakt, das mit der Verpackung, dem Reißen und dem vielen so-tun als ob, fragt es von links. Das ist eben so, und es ist noch nicht mal schlimm, antwortet es von rechts. Erklärungen sind so kreativ wie öde, denn danach geht es immer auf zu neuen Ufern, erklärt rechts.
Und so gurgelt eine weitere, hunderte Male geführte Unterhaltung den Abend hindurch.

Links und Rechts hatten schließlich eine wundervolle Zeit miteinander. Welch Freude.