Tout ira bien

Es nagt an dir. Ach scheiße, lass es nagen diese Plage denkst du dir. Denn das Gefühl ist  weder neu, noch besonders überraschend, dass es jetzt da ist.
Dein Knöchel schmerzt auf dem dummen aber schönen, irgendwie egal wo es liegt immer gleich aussehenden Parkettboden. Wenn man so sitzt ist das sicher nicht sonderlich gut für die verdammte Wirbelsäule. Heute ist alles untauglich, egal wo, egal was. Es passt einfach nicht. Ein guter, warmer Kaffee? Ja, er ist gut, und mit Sicherheit warm, aber an solchen Tagen eben „nur“: gut und warm. Was das soll, willst du gerne mal wissen. Sich fremd per-se fühlen.
Einfach so, ist dann einfach da. Und nicht sonderlich wohl, obwohl, OBWOHL doch eigentlich alles passt. Passt. Beschissen passt. Ja, und verwirrt. Und verwirrend viel spannend ist, und du bist so oft so tapfer, so mutig, immer wieder for gods sake. Gehst da raus, IMMER WIEDER, und glaubst. Wer glaubt denn noch flitzt dir zynisch dämlich durch die Birne auf dem Weg zum nächsten Coffeeshop.

Deine Füße sind schon wieder kalt. Ja, Pessimismus hilft auch keiner Raupe weiter zum Schmetterling zu werden… Schnike Winterschuhe, Parkettfarben, immergleich, sollten es sein. Sind sie jetzt. Trotzdem sind deine Zehen unzufrieden, dein Herz pocht irgendwo hin, wartet darauf nicht mehr warten zu müssen.

Ein Zauber, der so schnell verflogen ist wie du an einen anderen Ort kommst. Der ist nicht schlechter, aber so ein ganz anderer Zauber. Andere Farbe, fühlt sich anders an, etwas kratzig.
Davor war Mut. Davor war ein wenig Wagniss. Feuchte Hände, Ungewissheit, Gedankenmühle, Gurgeln im Magen.
Danach war es warm, verschlafen, Augenringe, ruhig und unbesorgt.

Zurück ist die Sache mit der kleinen Tapferkeit, dem immer-mal-wieder Mut in dir eben so, dass es von außen so gar nicht sichtbar ist. Und du denkst: das muss man doch sehen! Und wirst selbst dabei so vollkommen blind für die kleinen Tapferkeiten der anderen. Und verstehst dabei ein wenig mehr: deshalb wird es wohl sein. Jeder reist dann seine eigene Reise. Und kann davon erzählen: dabei waren weder die anderen, noch du mit ihnen wo anders.

Es war: verwirrend. Neu. Überwältigend. Ein wenig verängstigend. Großartig. Ein bisschen WonderwomanSuperman. Viel ganz normal, aber das genau passend. Und jetzt kommst du zurück. Hierher. Willkommen. So kann es also auch sein.

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Ein Lama macht noch lang keine Wüste

Stell dir vor, du könntest es festhalten. Und kurz noch mal heraus holen, es drücken, dir genau anschauen, hinsehen. Dich in dem Trouble entspannen, eine Vogelperspektive auf Knopfdruck.
Stell dir vor, das Chaos in deinem Bauch könnte einfach so zu schweigen gebracht werden. Genau wie die vielen Zweifel.
Wie du jetzt da sitzt, umhüllt von einer Decke aus Zufriedenheit und warmen Farben. Hier zu sein, nichts gesucht zu haben. Ein wenig Angst war auch dabei. Und Sorgen. Was wäre wenn. Haben sich überschlagen, noch bevor irgend etwas geschehen war. In deinem Bett, in der Stille, haben deine Gedanken getanzt und gelacht, geschiehen und gewarnt. Szenarien wie in einem Theater: überleg doch!

Und dann kommt alles ganz unaufgeregt. Federleicht. Du akzeptierst, einfach so. Die kritischen Stimmen verstehen die Sprache hier nicht. Sind verwirrt und fühlen sich vernachlässigt.

Stell dir vor, das könntest du, zurück im Hier und Jetzt, wieder auspacken. Und ein Stückchen davon absorbieren. Wenn dir wieder der Schweiß rinnt, das T-Shirt klebt, du glaubst zu wissen was andere von dir erwarten und händeringend mit Kloß im Hals genau das erfüllen möchtest.
Es auspacken und da haben.
Wie jetzt und hier. Wissen, dass vieles eben so ist. Und so vieles so viel anders. Und du nicht alles glauben darfst, was du denkst.

Stell dir vor wie es wäre, würde es auf dich aufpassen. Nicht zu viel, nur dann und wann ein kleines Bisschen, kurz bevor eine der vielen Denken über dir wieder Risse bekommt, zu bröseln beginnt und einzustürzen drohnt.
Es nähme dir ein wenig die Angst und stähle dir die Fähigkeit zu Grübeln. Dann wärst du einfach nur da, in so einem Chaos Moment- und würdest wie bei der Manege zuschauen. Wissend, dass wir alle nur Menschen sind, die es mal besser und tapferer, mal weniger gut hinbekommen.

Akustisches Etwas

Gemocht. Daher geteilt.

 

Rutsch rüber

Weg von hier und weg von dir. Raus aus diesem rauchigen, überbewerteten Laden, warum den alle loben soll jemand verstehen. Selbst der Suff kann dann nichts retten.

Eine sanfte Brise später sitzen wir uns, halbfremd belächelnd, gegenüber und fühlen und zusammen ausreichend gemeinsam abgelenkt, zu beschäftigt fürs Alleinsein. Das ist prima.

Gesprächsthemen wie Lichtgestalten in den Finsternis, Bühnenwesen unterm Tresen, Einsilber unter Wasserfällen und Tranquilizer statt Koffeintabletten wechseln sich ab.

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Einigkeit herrscht über sowohl die Schönheit, als auch die unbestechliche und chronische Ungerechtigkeit des Lebens. Mit all den damit einhergehenden Fragen, denn uns scheint es ja gut zu gehen.

Eine Coca-Cola tanzende Wahrheit schwappt betrunken an euch vorbei, ihr weisen Gegenwartsphilosophen. Szenenwechsel, offensichtlich. „Keuschheit von was auch immer bringt nur dem was, der daran glaubt“ schreit sie laut.

Die letzten zehn Schnaps, murmelt der eine, waren einer zu viel. Nein, der andere, einer zu wenig, einseitig.
Kacheln langweilen sich in ihrem Dauerweiß neutral auf dem stinkenden Abort, der seit mehreren zehn Minuten in Schach gehalten wird von dem, der meinte, zwei zu viel.

In der Spielunke gefangen lasst ihr Goldschwämme eure Emotionen zurück, jetzt nur ans Verhüten denken, denkt sich der eine und der andere geht mit.

Nüchtern war das Bett viel größer.

Gertrude setzt an

Absetzen war nach so unendlich erscheinenden Tagen wie heute sowieso noch nie Gertrudes Ding gewesen. Der Chef behindert, die Kollegen langweilig, die Arbeit eintönig und in der sogenannten „Fortbildung“ mal wieder nichts verstanden. Ist wohl eher eine Standbildung. Der Redner hört sich gerne reden. Ja, für Bettgeflüster würde er taugen, die Sau, aber das mit der Bildung kann er sich schenken. Gut und gerne dreizehn Jahre jünger, noch mal 65 Kilogramm leichter und mit leichtem Lispeln steht er in dem unfassbar schicken Konferenzraum und labert über Bilanzierungen, Tabellen, Mitarbeiterführung (es sind nur Mitarbeiter in dem Raum, ihn inkludiert) und Gertrude beginnt sich gemächlich in der Nase zu bohren, so ein Idiot. Alles, was er machen soll ist nackt sein. Sie würde es seinem dürren Körper schon geben, mit genügend Wärme und, ach, da würde er staunen: Ausdauer.

Wer hat sich nur diesem Humbug von wegen Professionalität hier, Leistungsstreben dort ausgedacht? War garantiert auch so ein dürrer Jüngling.

Endlich Abend. Feierabend und Abend. Ein toller Mix. Nach Hause zu gehen klingt verlockend wie Herpes, nach so einem Tag an dem man so schlau ist wie gestern. Also ab in eine Bar, hip und modern, warum auch nicht.
Gertrude kippt den Scheiß runter. Doppelten. Korn. Weil Korn knallt, hat es schon immer, und sie mag ihren schweren Leib eh nicht, also kann sie auf die ganze Lifestyle-Drink-Kacke scheißen. Sie schaut sich um, ach seid ihr alle schön, jaja, das sieht man, und trinken alle diese Drinks, die teurer sind, aber weniger knallen. Was soll das? Gertrude hasst solche Tage. Nachher werden ihre Finger den Jüngling spielen, in ihrem Bett, dabei weiß sie, sie ist sich sicher, sie hätte es ihm besorgen können. Gern auch von Hinten, Gertrude ist da nicht so.

Nach dem Suff bewegt sie sich, schwerfälliger mit Promille, aus dieser verfluchten Bar. Höhepunkt des Tages, wie traurig, denkt sie bei sich.
Auf solche Tage, und sogar Wochen, denn dieser Dreck kann sich ziehen wie Kaugummi, könnte sie wirklich verzichten. Das Ding ist, dass Gertrude sehr wohl bewusst ist, dass das Leben endlich und sie durchaus sterblich ist. Harte Themen, die an ihr abprallen wie Wasser aus der Dusche.

Richtig schön besoffen krallt sie sich ein Taxi, nur noch nach Hause. Am nächsten Tag ist Fortbildung…und da sollte sie zumindest fünf Stunden geschlafen haben. Disziplin ist alles.

once more once again

Zu sagen nicht viel, zu fragen schon mehr, wie man sich nach all der Zeit dann sieht, aus den Augenwinkeln, halblustig mittanzend zu der heute eigentlich dann doch ganz guten Musik. Dämliche Vergangenheitsform, beschissener Vollrausch der einen nichts mehr kapieren lässt, aber dennoch emotional reagieren. Wenn anstelle von Gelerntem ein melancholischer Wust von eigentlich-sollte-das-längst-vorbei-sein und so-ein-Dreck-was-soll-das tritt. Dämlich, wirklich dann dämliche Blicke, die sich ver-treffen, wollten sie sich eingentlich nicht sehen, mochten sich davor ganz gerne, lernen aber kontinuierlich, hartnäckig zu vergessen, ent-fühlen.
Neues tritt Anstelle von Altem, Entrümpelung braucht Zeit, Löcher stopfen auch, zuhören immer mehr Kraft die nur zu gern in solch zugesoffene und nutzlose Nächte investiert wird, um dieses Gefühlsgezauder über die Reling zu kippen und sei es nur einen gottverluchten Abend. Den ganzen Eimer voll, der immer am überlaufen ist, scheiß egal, wie viel man davon entsorgt. Wer sich das ausgedacht hast, denkst du träge, gehört geohrfeigt.

Ausschlafen, nein, lieber doch nicht, fertig machen, anziehen, einen Tagesplan erstellen und dann brav die to-do’s durchgehen. Wir sind schließlich nur ein mal jung. Nur weiß eben keiner zu diesem Zeitpunkt, wie es ist, alt zu sein. Das würde einiges ändern und auf den Kopf stellen. Doch so herum ist es schon… besser. Schließlich müssen Fehler einfach gemacht werden. Mal wieder.

Voyage

Du wolltest sie alle überholen, rennen, um die Ecke, clever sein und Abkürzungen finden. Ihnen eins auswischen, es ihnen zeigen, beweisen, auf Trab sein, hier lang, da lang, ruck zuck. Und nun sitzt du immer noch da und bist dir selbst der größte aller Vorwürfe. Dabei warst du niemals besser als jetzt. Hast zu wagen nie aufgehört, bist lebensfroh, scheust auch die finsteren Stunden nicht, bist mehr da als jemals zuvor.
Lass deine Ängste und Dämonen nicht vergessen, dass vorwärts keine Richtung ist, sondern nur stehenbleiben verkehrt. Bringe ihnen das Tanzen, Lachen und Weitermachen bei, dass sie zu Kameraden werden, auf die man sich verlassen kann, so dass sie vergessen, wer sie waren und zu etwas anderem, vertrautem werden, mit fieser Vergangenheit.

Für jeden ist Vorankommen und Geschwindigkeit etwas anderes. Vielleicht hast du in der dir so verhassten Zeit die wichtigsten Lektionen deines Lebens gelernt, bist dir derer nur noch nicht bewusst. Mit Sicherheit war es zu etwas gut, und sei es, zu merken, dass das ’schneller sein‘ bereits zutrifft, auf so vielen anderen Ebenen.

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Das doofe, wahrlich Doofe dabei ist, war und wird sein, dass es, ja du hast Recht, ein gesellschaftliches Vorankommen gibt. Und sich alle gerne messen, an künstlichen Latten, schmücken mit Bezeichnungen, die dir eben..noch fehlen. Aber Schmuck, so dachtest du, bekommst du früher als alle anderen. Welch Irrtum. Aber irren ist gut, das hat dir bis heute nur noch keiner gesagt. Irren ist der einzige Weg, danach schlauer zu sein, als davor.
Nur Schmuck an sich hat noch keinen schlauer gemacht. Vielleicht hübscher, sexier, begehrenswerter ‚oh lala!’… aber so lange du mit einem schlauen, stillen Schmunzeln ‚gut siehst du aus‘ sagst, es auch so meinst, aber weder Neid noch Reue empfindest, dann hast du dich Gott sei Dank zuvor häufige Male geirrt. Oder bist sehr weise. Bereits jetzt, wenn man das sagen darf.