Sperrangelweitoffen

Du weißt es einfach noch nicht, so simpel ist es. Triffst dich wie wild mit anderen und bemerkst nicht mal, dass auf diesem halb gemütlichen Sitz, in der recht leeren S-Bahn, mit Panoramaausblick auf Fassaden der lächerlich vertrauten Stadt, dass es dir genau dort gerade gut geht. Du magst die hässlichen grünen Polster, einen vier-sitzer allein für dich zu haben, den Blick schweifen zu lassen über sich ständig ändernde Bilder bis zum Stop an der nächsten Station.
Triffst dich dann, mal bekannte, oft unbekannte Gesichter, mal windig, mal regnerisch, dann sonnig oder schwül, hier und dann, Essen, Trinken, spazieren, Küsschen rechts links, war schön, ja, bis zum nächsten Mal.
Dann sitzt du wieder dort. Und Ruhe kehrt in dich zurück. Dort fühlst du dich so gar nicht alleine, so gar nicht zurückgelassen, hast keine Angst etwas zu verpassen. Sondern siehst, wie kurz, durch einen Spalt, dass die anderen anderes machen, mit anderen. Keine Philosophie, kein schweres Rechenbeispiel, simpel, schlicht, und doch vergisst du es alle paar Stunden, wenn du Zuhause sitzt, auf die Facebook liierungen, Beziehungen, neuen Fotos mit lachenden Gesichtern vor Aussicht guckst und denkst: das ‚wär doch was.
Dann aber, wenn ein Gesicht klingelt zum Filmeabend, und wieder geht, du erleichtert die Tür schließt und auf deinen Sessel plumpst in deinem abgedunkelten Wohnzimmer, die Fenster sperrangelweit offen, merkst du, verdammt, eigentlich nicht. Du brauchst die Jagd nicht, weißt selbst nicht warum du es machst, dieses immerwiederkennenlernen, es geht dir sogar ein wenig auf den Geist. Nur kannst du so schlecht alleine sein, wenn niemand anderes da ist. Das kannst du wenn jemand da ist, aber eben nur da. Mit Eventualität umhüllt. Könnte reden, könnten essen gehen, könnten zusammen.. mehr nicht. Blicke treffen sich irgendwo in einer Mitte, leichte, nichtssagende Berührungen, fertig.

 

Und doch höst du nicht auf. Sitzt dort, in Bars und freust dich so sehr, wenn du endlich wieder alleine in deinem Bett liegst.

Und bekommst Angst: was, wenn das nie weg geht?

so much here and now

So terrible in making decisions, to ascertain things, not ready yet, not having been ready for so long for a thing never wasted a thought of. Safe in a few broken moments of comfort, knowing, it will disappear as quick as it came.
Went to buy milk, instant coffee, orange juice and bread, because we will be hungry in the morning. The morning after the morning after. Having our things done, others were quicker in doing so, but you know, darling, we are so much not the others.
Shared so many cigarettes with so many people but in the end it were so few. Only a handful of kisses we remember, only a few smiles, and two, maybe three people who were so much there in our lifes that they will cover all the others with shadow.
Don’t be too melancholic, don’t be too full of energy, both will scare so many others away. But you’re getting so sick of the ‚middle‘. You’re confused by yourself sitting there since 40 minutes in this chair from 17 years ago, doing exactly nothing but sitting there, staring at this blank wall with a small picture of Kate Moss looking at you. And anybody else, looking at it. Don’t want to make decisions, again.

In three years, everything can change. But what happens if you stay the same. And feeling that this is a burden, here and there. Especially in the so called ‚comfort-zones‘ which leach you more out than giving you power back. Are you wrong at being yourself?

Blitzeblank

Du weißt wo du hin gehörst, sagst du. Mit deinen 23 Jahren. Die Jahre, sagt man, sagen nicht viel aus, über irgendein Wissen, über Reife, fernab der 20. Und 23 sind eben schon das dritte Jubiläum von 20.
Hier gehörst du hin, warst schon immer hier, hast dich vor zwei Jahren so sehr verliebt, dein Kopf schwebt noch immer in allen Sphären. Dein schulterlanges, blondes Haar wippt bei jedem Lacher matt mit, du bist durchschnittlich sexy, eher unterer Durchschnitt. Man sieht dir an, dass du Sport nicht so gern magst und wenn dann: Golf. Deine Zähne blitzen dafür um so perfekter, ihre leicht abwertende Meinung über so viele andere Menschen zum besten gebend. Du kennst sie alle nicht, nur die, die offensichtlich ihr Leben im Griff haben und dich hier besuchen kommen. Banker ist der, den du in ein paar Monaten heiraten wirst. Steigt auf, hat eine steile Karriere, ist ein super Typ, du kannst ihm vertrauen. Bis eben auf die Momente, in dem ihm billige Tänzerinnen, oben ohne, Vodka aus ihrem in seinen Mund laufen lassen.

Ein bisschen Knatsch, rote Rosen, gutes (teures) Essen und einen Antrag später, gespickt mit Karäter-Ring, ist dein Vertrauen in die Welt wieder hergestellt: du hast einen lieben Mann, einen, dem du vertrauen kannst.

Und hier willst du alt werden, immer wieder, dabei werden wir alle nur einmal alt. Hier gehörst du hin. Wenn es so selbstverständlich ist, warum betonst du es dann immer wieder?
Zweifel dringen in keinster Weise zu dir vor, verbarrikadiert all das. Swingerclub? No go! Warst du schon mal da? Nein, wieso auch, alles Kaschemmen der untersten Sorte. Woher du das weißt, wenn du noch nie in einem gewesen bist. Das weiß man halt, hier in der Umgebung sind das alles Absteigen. In dem einen Club, in dem du einst gearbeitet hattest, das hat dir gereicht, da wurdest du mit allen Wassern gewaschen. Ob dir dort etwas passiert sei? Nein, nur der Türsteher stand auf dich und hat… mit dir geschrieben. Eindeutig. Obwohl er um deinen Freund wusste. Was das mit Swingerclubs zu tun hat, und warum du überhaupt auf Swingerclubs kommst? Einfach so halt. Alles Absteigen. Probier es doch mal aus? Schau doch mal einen an? Niemals! Verrucht!

Es ist schwierig aus einem Menschen schlau zu werden, der sich hinter seinen Vorstellungen verbarrikadiert, so dicht, dass nicht mal kleinste Risse offen sind, durch die ein hauch Licht durchdringen würde. Das Unbekannte als das Böse, das Falsche. Nicht einfach nur das, was es ist: unbekannt.

everythingwillbeok

Federlaich

Und dann länger gewartet, ins Leere gestarrt, versucht das zu begreifen, irgendwie den Moment einzuatmen, festzuhalten.
So wie es dann so häufig ist weiß man irgendwie, dass es so ist, dass Momente kommen und gehen, man eben wieder packen muss, weiter, zurück und dabei wieder etwas zurück lässt. Warme Herzen dann und wann, winkende Hände, fortschreitende Wochen, eingelöste Versprechen und neue Erwartungen.

Sowieso ists dann eh besser, wenn man am nächsten Morgen aufwacht. Es ist niemals schlimm gewesen. Nur etwas schwer.
Auf eine Tanne folgt, scheinbar in fließendem Übergang, Osterstrauch, dabei glaubt keiner so richtig, debattiert aber gern, ob es falschen Glauben im eigentlichen Sinne gibt.

Die winkende Hand, ein trauriges Gesicht, daneben ein halb lächelndes, jemand muss ja tapfer bleiben. Wissend, alles ist irgendwie bemessen, nur damit ist eben auch keinem geholfen.

Es tut mir so leid, denn es wird nicht leichter, auch wenn einige (wer sind die?) es behaupten.
Nur du wirst vielleicht tapferer, mutiger und weniger gleichgültig. Und das machts dann vielleicht etwas leichter. Obwohl es das nicht ist.

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Stau

Überall scheint es an dir zu ziehen und zerren.
So viele fleißige Hände und suchende Augen, sie haben den Trick herausgefunden, nicht von dieser elenden Müdigkeit übermannt zu werden. Sie greifen in deine Richtung, Romantik wird zum Verkaufsschlager, zu Angebot und Nachfrage.

Du brauchst das alles eigentlich gar nicht. Der DVD Player fängt den Staub, du hast ihn seit drei Jahren nicht mehr benutzt, aber die Möglichleit, mal wieder eine DVD zu gucken, hindern dich daran, ihn raus zu schmeißen.
Auch mitspielen möchtest du nicht unbedingt, brauchst auch die ganze Ausrüstung nicht, die paar Minuten Action für das ganze Geld.
So oft dabei erwischt bei dem Gedanken, wie toll sich dies und jenes als Anekdote machen würde. Was die ‚anderen‘ denken würden. Doppelter Konjunktiv. Scheiße.

Langsam fragst du dich, was das soll. Lieber mehr Wolken als einen flackernden Computerbildschirm. Lieber wandern, erschöpft aber glücklich am zu kahlen Felsgipfel ankommen, ohne Medaille, Sekt und Handschlag. Nur Aussicht, Frischluft und ein bisschen schmerzende Beine, die dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Die Pausen sind so selten und klopfen zu oft mit unerwünschten Nachrichten an deine Tür: es ist so anders. Pause. Unterbrechung. Halt. Stop. Was? Wiebitte?
Nüchternheit tritt anstelle von Verklärtheit. Ein kleiner Moment der Endlichkeit, der deine vergessene Suche nach Leben anzündet und dich nicht mal traurig werden lässt: sondern wach. Und dir ein Schmunzeln schenkt, ein bisschen mehr ’scheiß drauf‘ und vielleicht, ganz vielleicht ein bisschen mehr Priorität auf das was wirklich zählt. Was auch immer das dann ist.

200 qm2

Daily rythm und die Bahn ruckelt unter deinem Körper, der regelmäßiges Training vermisst. Gelegentlich hast du das Gefühl, kriechend, dass dein Geist in einem riesigen Verschleißteilgemisch aus Fleisch und Blut so vor sich hin lebt. Der Geist darf auch nicht alles sollen was er will, c’est la vie, schlucks runter.
Somit wird die Fahrt dorthin, wo du eignentlich gar nicht unbedingt sein möchtest, zu einer täglichen Reise. Morgens ein bisschen zu früh, Abends ein wenig zu spät. Deine Augen in der zu unmuskulösen Hülle blinzeln aus Gewohnheit, der Spalt wird ein wenig enger.
Deine Gedanken spielen dir bereits kleinere Streiche. Wie es wäre wenn… eine Katastrophe. Ein Hurricane, zack das Leben anders. Ein Krieg, gegen irgendjemanden. Freiwillige die sich gegenseitig niederschießen scheint es irgendwie zur Genüge zu geben.
Dann alles wieder aufbauen. Erkannt werden. Wer du wirklich bist. Und so. Was du dich halt nicht so richtig getraut hast. Und wenn, dann haben das Timing und das Publikum nicht gestimmt.

So wacht man dann halt auf in dem Luxus in Kleinformat. Wobei dir auch nicht wirklich klar ist, was daran 200 qm mehr ändern würden. Mehr Raum für Ratlosigkeit. Ein brillanter Künstler würde dann mit Sicherheit seine viel zu kreativen Freunde einladen. Zusammen würden sie dann Warhol-Like richtig cleverkritische aber Mainstreamtaugliche Dingens machen. Halt so. Weil sie so sind.

Bei dir wäre der Platz… minimalistlisch.

Das Ruckeln hört auf. Die Türen der Bahn öffnen sich. Der Typ neben dir könnte gutes Mundwasser, eine ordentliche Rasur und eine Dusche vertragen denkst du dir als du aufstehst.
200 qm, so viel Platz…

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